Deiche und Deichbruch

Deiche haben eine typische Form, sie sind in fast allen Fällen an der Gewässerseite abgeflachter als an der Landseite. Damit bieten sie Wellen, aber auch mitschwimmenden Gegenständen und Eis wenig Widerstand. Funktionsfähige Deiche müssen ständig gewartet, gepflegt und überprüft werden. Sie werden einmal von tiefwurzelnden Pflanzen freigehalten, denn z.B. Baumwurzeln können später Eintrittslöcher für Wasser bilden. Andererseits soll es durchaus eine stabilisierende Decke aus Graswurzeln geben. Unter dieser Wurzel gibt es häufig verschiedene Deichkörper, der Deich besteht also nicht einfach aus einem in eine bestimmte Form geschobene Erdkörper. Viele Deiche haben entweder kurz hinter der Krone oder vor Ende auf der Landseite einen Weg für Servicefahrzeuge. Außerdem haben sie an der Landseite einen kleinen Entwässerungsgraben, der durchquellendes Wasser und Regenwasser sowie ggf. von Land her kommendes Oberflächenwasser auffangen und ableiten soll.

Für einen Deich gilt, was für eine Kette auch gilt: Die schwächste Stelle bestimmt die Gesamtstärke des Bauwerks.

Der sogenannten "Deichverteidigung" kommt bei Hochwassern seit jeher ein besonderes Augenmerk zu. Denn alle anderen (technischen) "Hochwasserregler" wie Wehre, Ablässe und Sperrwerke werden zur Makulatur, wenn der Deich bricht und das Wasser also durch eine geplante Rückhaltelinie strömt.
Dass ein Deich im übrigen für den Hochwasserschutz auch im funktionsfähigen Zustand ein zweischneidiges Schwert ist, zeigen wir hier.

 

Ursachen und Abläufe von Deichbrüchen
Deichbrüche sind offensichtlich und spektakulär.
Dabei ist der Deichbruch sozusagen der größte denkbare Unfall. Häufig gehen dem Deichbruch subtile Ereignisse voraus - wir stellen zwei häufige unter ihnen vor:

1. Unterspülung
Unterspülung - Deichkörper wird unterspült und aufgeweicht!
Bei einem starken Hochwasser drückt ein enormes Gewicht gegen den Deich. Stellt man sich ein Schwimmbad vor, das im Schnitt so 2-3 Meter tief ist, so ist nachvollziehbar, dass ein Deich faktisch den gleichen Druck wie eine Wand des Schwimmbads aushalten muss. Das Gewicht des Wasser erhöht den Wasserdruck und damit werden selbst kleinste Löcher zu möglichen Rißstellen. Durch den Wasserdruck sickert bei längerem Hochwasser unterhalb der Wasserlinie immer mehr Wasser in die Poren des Deichkörpers (siehe Bild). Er wird im wahrsten Sinn aufgeschwemmt. Der Deich ist aber meist gut gepflegt und die Anlage der Deichteile abgestimmt. Grade wenn aber die Zusammensetzung des Deichs oder dessen Härte anders ist als der Untergrund, kann sich dort ein kleiner Wasserfluss bilden. Unterspülungen sind quasi nicht sichtbar und zunächst ungefährlich. Sie destabilisieren nur die Tragfähigkeit, so dass man ggf. nicht mehr auf dem Deich herumfahren darf. Gefährlich werden sie erst, wenn sich aus ihnen richtige Löcher bilden.
Bild zeigt einen Fluss, den Deich und eine nasse Stelle an der Landseite.
Auch bei normalem Wasserstand sickert über das Grundwasser immer Wasser hinter dem Deich durch. Dieser Deich wurde in den 80er Jahren fahrlässig in eine Aue hinein gebaut - wo sie verlief, zeigt das Wasser. Ein Kandidat für eine Deichrückverlegung.

 

  
 

 

2. Löcher im Deich
Loch im Deich- der braune Deichkörper wurde minimal durchbrochen.

Bild zeigt typische Kaninchenlöcher am Deich

Löcher entstehen häufig durch grabende Tiere (insbesondere Bisamratten), Unachtsamkeit, das Befahren durch zu schwere Fahrzeuge, Wurzeln oder aufprallende Gegenstände. Durch diese Löcher strömt dann Wasser mit enormen Druck - und reisst Deichmaterial mit. Das Loch weitet sich durch Erosion auf. Dort wo das Wasser austritt, erkennt man manchmal einen kleinen Sandhaufen, den das Wasser aufspült. Stopft man diese kleinen Löcher nicht, riskiert man über längere Zeit einen Deichbruch.

Deiche, die nicht regelmäßig kontrolliert werden, können auch durch die "Grabarbeiten" von Kaninchen an der Oberfläche angegriffen sein - wie man hier auf dem Bild sieht.

 

 

  
 

 

3. Deichbrüche
Deichbruch - der Deich wird durch massiven Wasserdruck weggeschwemmt.
Im Anfangsstadium eines Deichbruchs mehren sich häufig oben genannte Phänomene. Wasser tritt sichtbar über. Jetzt heisst es, binnen kurzer Zeit zu handeln: Mit Sandsäcken oder Planen wird der Deich beschwert und abgedichtet. Verpasst man die ersten paar "Minuten", die kritische Phase eines Deichbruchs, so reisst der Deich an einer Stelle ein. Jetzt strömt Wasser durch und erodiert in kurzer Zeit weiteres Material, der Riss weitet sich an beiden "Ufern" aus. Im Grunde kann man ab einem bestimmten Punkt den Bruch nur noch durch Sandsäcke an beiden Seiten stabilisieren, damit das Loch und den Wassereinfluss bremsen um mehr Zeit für eine Evakuation des Hinterlandes zu haben.

 

  
  

 

 

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19.03.2004 9:12 updated by Bene