Deichverbände und Wasserverbände

Deichverbände haben in klassischen Hochwasserregionen eine lange Tradition. Sie regelten seit dem Mittelalter die Maßnahmen bei Hochwasser oder deren Vorsorge, vor allem natürlich den Deichbau. Da diese früher im Notfall über die Flutung oder Nichtflutung von Eigentum oder Fläche entscheiden müssten, hatten sie auch für feudale Verhältnisse einmalige Rechte. Nicht selten waren einige aus Notgemeinschaften entstanden. Deichpolitik war zwar feudal bestimmt, dennoch gab es auf unterer Ebene mehr und mehr "Basisdemokratie": Der Deichvorstand wurde gewählt. Mehr zu diesem Thema als Info der Bezirksregierung Düsseldorf hier (externer Link).

PS: Der berühmte "Schimmelreiter" von Theodor Storm zeigt die moralische Korruption eines solchen "Deichgrafen", der aus persönlichem Interesse handelt und nicht - wie gedacht - im Interesse der Allgemeinheit. Diese literarische Figur ist allerdings nur deshalb so spannend gezeichnet, weil grade an der Küste die Figur des Deich-Vorstands ein Symbol moralischer Integrität darstellt.

Auch heute bestehen die Deichverbände noch. Prinzipiell kann jeder Mitglied werden, der Eigentum und Land auf der Fläche des zuständigen Deichverbandes hat, zudem gibt es nicht-natürliche Personen (z.B. Ämter) die Sitz und Einfluss haben. Heute entscheidet allerdings nicht mehr ein gewählter Vorstand über "Flutung oder Nichtflutung", sondern muss das i.d.R. exekutiven Behörden überlassen. Bei der langfristigen Deichbaupolitik haben die allerdings noch häufig starke Einflussmöglichkeiten. Hier zeichnet sich teilweise deutlich ab, dass die Besetzung der Verbände mit Vertretern der Land- und Forstwirtschaft nicht immer dem ökologischen Hochwasserschutz entgegen kommt.

   
 

Boden- und Wasserverbände sind ebenfalls private Verbände, die (-meist von der Landwirtschaft bestimmt-) den Ausbau der Oberflächenwasser-Ableiter bestimmen. Diese sind - ähnlich bäuerlicher Genossenschaften organisiert- damit beschäftigt, wie und wo Wasser abgeführt wird, um möglichst gut Landwirtschaft betreiben zu können. Hier zeigt sich deutlich, dass die phantasielosen "Vorfluter"-Verbände oft genug durch grade und regelmäßig tiefgefräst eingeschnittene Wasserläufe das Hochwasser-Spitzen-Problem noch verschärfen. Hier- und nicht an Elbe, Rhein & Co, könnte das Hochwasser verhindert werden. Paradoxes Ergebnis dieser "Wasser-weg"-Philosophie sind die im Sommer allgegenwärtigen Sprenkleranlagen. mehr dazu hier

 

   Typisches Ergebnis von Flurbereinigung und der Politik von Interessenverbänden: Grade gezogener Wasser-Entsorger, sog. "Vorfluter".

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01.06.2004 19:17 updated by Bene