Ursachen und Faktoren von Hochwassern

Welche Ursachen haben Hochwasser?

Grundsätzlich gilt das Verhältnis zwischen Wasservolumen und zur Verfügung stehenden Raum als Faktoren für Hochwasser:

A) Es gibt zuviel Wasser was in ein Gewässer hereinfliesst (Input) oder zuwenig, was heraus fliesst (Output). Vergleichbar mit einer Badewanne kann der Abfluss eine bestimmte Menge Wasser abgeben. Ist der Input höher als der Output, steigt das Wasser. Egal ob man nun zuviel hereinfließen lässt oder (z.B. durch Stöpseln) zuwenig heraus.
B) Es gibt zuwenig Platz für dieses Wasser, bei steigender Menge steigt auch der Pegel. Hochwasser ist oft relativ zur durchschnittlichen Wassermenge eines Gewässers zu sehen und damit auch Auslegungssache. Hoch- oder Niedrigwasser wird von den zuständigen Behörden in Abhängigkeit zu einem Mittelwert berechnet.

 
Bildbeschreibung: Eine Badewanne als Beispiel. 1. Zuwenig Platz= etwas dicklicher Mensch, 2. Zuviel Input= Wasser läuft zu, 3. zuwenig Output= Wasserabfluss ist verstopft
Hier noch mal gaaanz anschaulich aber wie gesagt: Das Verhältnis von Raum und Wasser macht es.
 

 

Welche Faktoren spielen eine Rolle bei Enstehung und Verlauf von Hochwässern?

Neben oben genannten grundsätzlichen physikalischen Abhängigkeiten gibt es eine Reihe von konkreten Faktoren, die direkt oder mittelbar zum Hochwasser beitragen und zwar:

Faktor Wassermenge:
Durch saisonale natürliche Inputs (z.B. durch die Frühjahrsschneeschmelze) oder auch durch Eingriff des Menschen kann der Wasserstand sich verändern. Da fast alle Abschnitte der größeren Flüsse irgendwie vom Menschen technisch geregelt werden, ist der Wasserstand (in bestimmten Rahmen) meist wasserbaulich kontrolliert, sofern die Menge im Rahmen der Berechnung liegen.
Faktor Versiegelung/Flächenverbrauch:
Durch Versiegelung der Landschaft steigt der Anteil des Niederschlags, der direkt abfließt. Damit erhöht sich die Abhängigkeit der Wassermenge vom Wetter erheblich. Auen, Wälder und (zu geringerem Teil) auch naturnah bewirtschaftete Wiesen können die Regenmenge verteilen und zwischenspeichern. Hauptursache für Versiegelung sind Verkehrswege, Bauland und die Verdichtung durch schwere landwirtschaftliche Maschinen.
Faktor Temperatur:
Bei starken Minusgraden frieren Flüsse zu, auch der Niederschlag bleibt als Schnee liegen. Das Wasser wird dort gebunden und kann so über mehrere Wochen nicht abfließen. Diese "Hypothek" an Wasser löst sich relativ schnell, wenn sich der Schnee in Wasser auflöst. Besonders kritisch ist es, wenn das Wasser (auch bei unversiegelter Fläche) nicht im Boden versickert, weil dieser noch gefroren ist. Diese Ausnahmesituation schafft auch natürlicherweise starke Hochwasserschübe da die Speicherfunktion des Bodens nicht arbeiten kann.
Faktor Klimaveränderung:
Die durchschnittliche Temperatur der letzten Jahre ist leicht gestiegen. Zudem geht man davon aus, dass Niederschläge zunehmen und/oder in heftigeren Regenereignissen niedergehen. Dies - so vermuten Wissenschaftler mit einiger Wahrscheinlichkeit - wird negativ auf die Häufigkeit von Hochwasserkatastrophen wirken. Wie genau, weiss momentan keiner genau, die Zunahme extremer Wetter-Ereignisse ist jedoch ein deutliches Indiz für diesen Zusammenhang. So gab es im letzten Jahrzehnt ungewöhnlich viele "Klima-Rekorde" weltweit. In Europa beispielsweise mehrfach den wärmsten Tag, den wärmsten Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen.

Faktor Verbauung/Begradigung:
Die Verbauung von Flüssen und Bächen (z.B. für Schifffahrt) zwängt die Fläche von Auen und damit die Retentionsflächen (=Ausbreitungsgebiete) für Hochwasser stark ein. Die Verbauung von großen Flüssen ist stark vorangeschritten, aber auch kleinere Gewässer werden immer noch begradigt und betoniert, grade weil sie (fälschlicherweise) als unbedeutend für den Hochwasserschutz gelten.
Begradigte Fließgewässer sind schneller und damit steigt die Gefahr von gekoppelten Hochwasserwellen (folgender Abschnitt).

Weitere (Neben-)Faktoren

Faktor Wind:
Er ist bei Flüssen praktisch unwichtig und es ist für viele Menschen wenig vorstellbar, aber auf- oder ablandiger Wind kann bei großen Seen und am Meer ("Springflut") für durchaus wesentliche Wasserschwankungen sorgen. Zum Beispiel drückte starker Wind im Dezember 2003 an der Ostsee das Wasser so an die Küste, dass ein Parkplatz überschwemmt wurde und Autos beschädigt wurden. (Wiederum ein Zeichen für fehlgeplante Küstenverbauung). Auch z.B. auf dem Bodensee ist der Wind ein ernstzunehmender Mitspieler.

 

Faktor Grundwasserdruck:Wenn ein Gewässer in der Nähe eines Dammes stark Hochwasser führt, so steigt mit etwas Verzögerung der Grundwasserspiegel an. Liegt ein Haus z.B. hinter einem hochwasserbelasteten Deich, so kann Wasser über das Grundwasser unter dem Deich hindurchfließen. So kann sich in Kellergruben aufgrund des Drucks langsam Wasser bilden, eine Art indirektes Hochwasser. Diese "Überschwemmungen" sind meist recht langsam und daher gut (z.B. mit Pumpen) beherrschbar. Bsp: Im sog. "Weihnachtshochwasser" in Köln 1993 wurden 4500 Haushalte in der City überschwemmt, davon wurden etwa 9000 weiter durch ansteigenden Grundwasserspiegel beeinträchtigt.

Faktor Rückstau:
Ein Fluss kann auch dann Hochwasser führen, wenn er selber kaum Wasser führt! Für die in den Rhein mündende Mosel oder auch die Lippe gilt beispielsweise, dass sie im Mündungsbereich abhängig sind vom Rhein und dessen Wasserstand. Führt der Rhein Hochwasser, fließen Wassermassen über die Mündung hoch in die Nebenflüsse. Ist das Rheinhochwasser sehr stark, kann es den Input des zuführenden Flusses übersteigen - das Wasser steht oder fließt rückwärts.
Faktor Eis:
Auch große Flüsse wie Elbe oder Rhein sind hin und wieder völlig eingefroren. Eis kann auf verschiedene Weise zum Hochwasser führen. Schichten sich die Eisplatten über- und gegeneinander, kann es zu einer Art Eisdamm kommen, hinter dem sich das Wasser staut. Durch den Widerstand der Eisflächen verlangsamt sich das Wasser, der Fluss kann anschwellen. Mittelbar kann durch Eisschollentrieb an Wehren oder Deichen Undichtigkeiten entstehen. Das (nach dem August02-Hochwasser) nächstgrößte Hochwasser in Dresden war auf Eis zurückzuführen.
Faktor Uferrauheit:
Ist das Ufer rauer, hält es Wasser länger zurück. Dadurch steigt der Pegel an. Insbesondere bei Auwäldern und ihrem "Gestrüpp" wird Hochwasser gebremst. Im Grunde also nicht schlecht, da somit Wasserwellen nicht so schnell ablaufen - dies ist ein weiterer Faktor pro Auwälder zum Retentionseffekt.
Faktor Menschliches VersagenSabotage:
Bei technischen, vom Menschen hergestellten Hochwasserschutzsystemen (Deiche, Wehre,...) besteht immer das Problem, dass durch Fehlberechnung, Fehlbedienung oder Sabotage künstliche Hochwasser ausgelöst werden. In Folge des Hochwassers 2002 wurden zwei Männer verurteilt, die einen Damm vorsätzlich angestochen haben, um ihre Häuser (vermeintlich) zu retten.

Faktor Erdbeben:
In Japan als Tsunamis bekannt, werden diese Wellen durch Erdstöße ausgelöst, sind also in seismisch aktiven Zonen verbreitet. Zunächst sind sie nur wenig höher als andere Wellen, laufen sie aber auf flache Küstengebiete auf, steigen sie sehr hoch auf und schlagen mit gewaltiger Kraft auf das Land.

Faktor Planetensystem:
Hört sich schräg an, aber jeder hat es in der Nordsee schon mal gesehen. Dadurch, dass Mond und Sonne in einer bestimmten Linie stehen, potenzieren sich deren Massekräfte. Und Massen ziehen sich minimal an. Im Wattenmeer, wo wenige Zentimeter Kilometer ausmachen können, kann dies regelmäßig Ebbe und Flut hervorbringen. Kommt übrigens noch Sturm hinzu, hat man eine "Springflut".

Faktor Hangrutsch:
Sobald eine große Menge Felsen, Erde oder Eis von einem Berg herabrutscht und auf das Wasser trifft, verdrängt er das Wasser schlagartig. Die ausgelöste Welle kann dadurch Wellen oder rapide Strömungen auslösen. Dies ist auch der Grund, warum man in Baggerseen, die im Abbau sind, nicht schwimmen soll. Hier wird Sand abgebaggert und das meist über mehrere Wochen an einem Punkt. Rutscht dann ein unter dem Wasser liegender Kamm ab (vergleichbar einer Lawine), so entstehen hohe Wellen gefolgt von relativ lang anhaltenden starken Querströmungen. Diese Querströmungen verlaufen nicht (wie z.B. bei Bächen) horizontal sondern vertikal und "ziehen" somit unter Wasser.

 

zurück zur FAQ-Übersicht


05.01.2005 22:25 updated by Bene