Ursachen und Faktoren von Hochwassern
Besonders problematisch:
Überlagerung von Hochwasserwellen

Zunächst einmal ist die Wassermenge grundsätzlich für den Wasserstand entscheidend, die Wassermenge schwankt aber regelmäßig. Die Schwankungen der Pegel werden von Behörden zeitnah registriert, sofern ein Meldenetz vorhanden ist. Besonders starke Schwankungen haben Fließgewässer, die einen großen Wassereinzugsbereich haben. Hier kommt selbst bei mittlerem Platzregen einiges zusammen. Ein besonderes Problem für größere Fließgewässer-Systeme ist aber auch die Überlagerung von mehreren Hochwasserwellen. Grade die großen Flüsse müssen dann die Ladung von mehreren Zuflüssen gleichzeitig verkraften. Die nebenstehende Animation verdeutlicht den Effekt der Potenzierung zweier mittlerer Hochwasserwellen zu einer großen, wenn sie gleichzeitig auftreffen.


Beispiel: 1993 begann aus Schneeschmelze im Rhein eine kleine Hochwasserwelle (2-jährig), parallel aber im Neckar eine 50-jährige, die sich nach Zusammentreffen zu einem beachtlichen Hochwasser vereinigten. 1995 kam eine (20-jährige) Hochwasserwelle vom Oberrhein, die vom angeschwollenen Main noch verstärkt wurde. Ab Koblenz wurde das ganze durch eine relativ niedrige Moselhochwasserabführung entspannt, aber nach der Mündung der Sieg wieder so "aufgefüllt", dass in Köln der nach 1926 und 1993 höchste Wasserstand gemessen wurde.

Dass die Hochwasserwellen kaum noch verzögert und verteilt werden, ist Folge des massiven Ausbaus im Sinne von Wasserautobahnen. Kein Wunder, dass ohne Kurven höhere Geschwindigkeiten nicht nur für Schiffe möglich sind. Je schneller das Wasser kommt, desto weniger Reaktionszeit hat man. Noch ein Katastrophenfaktor ist das, was die Hochwasser mit sich führen: Mehrere Tonnen Öl und giftige Substanzen (DDT/Schwermetalle) aus zerstörten Anlagen aber auch ausgeschwemmt aus den Böden. Mehr Infos zu Giften nach Überschwemmungen gibt es hier.

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Oft unterschätzt :
Die Kraft von Hochwasserwellen

In seltenen Fällen ist die Aufschlagkraft der Hochwasserwelle unabhängig von der tatsächlichen Höhe des Pegels gefährlich. Bei plötzlichen Brüchen von Wehren oder Dämmen können solche Wellen entstehen. Gleichzeitig gefährden sie genau solche Anlagen stromabwärts. Denn nur wo ein kurzfristiger Wellenscheitel (auch "peak" genannt) geballt auftreffen kann, ist er am gefährlichsten.

Verrohrter Bach

Ein Rohr kann bei Verstopfung zum Wasserstau führen, hier ein Beispiel. Aus der Perspektive von Wanderfischen ist es auch ein Hindernis auf dem Weg zum Laicherfolg.

Bei natürlichen Fließgewässern wird ein solcher unnatürlich hoher Hochwasserwellenkamm gebremst, weil er am Ufer stark auf Reibung trifft und sich dadurch verteilt bzw. abflacht. Ist der Rand allerdings begradigt, bleibt der Wasserberg relativ lange stabil. Seine Schlagkraft ist dann meist höher. Auch wenn ein Strom z.B. Baumstämme mitführt, kann dies bei Stauungswehren wie ein Rammbock oder wie ein Pfropfen wirken. Staudämme haben in der Regel einen Notablass und einen Überflusszylinder, wenn der Notablass ausgelöst wird, gibt es eine Hochwasser-Welle.

Ein weiterer Spezialfall sind die sogenannten "Muren", die aus Schlamm bestehen und in Bergregionen abgehen. Ausgelöst durch Starkregen und verursacht durch mangelnden Bewuchs kommen diese Schlammlawinen besonders mächtig zu Tal und führen meist Holz und Steine mit, was besonders feststehende Gebäude und Brücken beschädigen und/oder verstopfen kann. Sie sind eine Art Mittelding zwischen Hochwasser und Bergrutsch. Durch den hohen "Feststoffanteil" sind sie - selbst wenn es keine großen Schäden gibt- oft nur mit schwerem Gerät zu räumen. Denn ihre mitgeschleppte Fracht wird nach Ablauf des Wasser fast betonhart.


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19.03.2004 9:18 updated by Bene