Was ist hochwasserangepasste Architektur?

Früher gab es in traditionellen Hochwassergebieten noch wenig Deiche. In den Gebäuden waren Hochwasser schon eingeplant (z.B. in den Elbniederungen). Man hatte keine Pumpen aber auch keinen Keller, das untere (oft gekachelte) Geschoss wurde geräumt und dann nach dem Hochwasser wieder vom Schlamm befreit.
Warften in Norddeutschland/ Küste
Hallig Langeneß (bei Föhr/Amrum): Traditionelle Warft (Erhöhung um einige Meter auf Erdhügel) in Hochwassergebiet als Beispiel für hochwasserangepasste Architektur.

Andere Lösungen sind die "Warften" der friesischen Halligen. Bis vor wenigen Jahren ohne Damm und Eindeichung liegen die Häuser z.B. auf Langeneß alle auf Erdhügeln und bleiben trocken. Weil wir das Problem Hochwasser vergessen und verdrängt haben, sind diese alten Bauformen kaum noch praktiziert worden, erst durch das Hochwasser 2002 wurden auch architektonische Lösungen verstärkt angedacht. Dennoch gibt es neue Ansätze, vor allen Dingen an der Mosel oder größeren Flüssen. Dort sind z.B. die unteren Stockwerke so gebaut, dass sie schneller trocknen und es kaum Risse gibt. Außerdem ist die Ölheizung (sofern überhaupt vorhanden) und die Energieversorgung oben am Haus angebracht oder überflutungsfähig. Bei den Menschen in traditionellen Überschwemmungsgebieten kann man auch eine entsprechend gelassenere Einstellung bemerken.

Die Hochwasserschutzstrategien sind zunächst das klassische Widerstehen gegenüber Fluten (z.B. durch Flutsperren am Hauseingang), das elegante "Umgehen" des Problems (z.B. durch Höherlegen des Eingangs) aber auch das kontrollierte "Nachgeben" (z.B. das Fluten von Kammern, um ein Aufschwemmen des Gebäudes zu verhindern). Mehr dazu in unsere Literaturliste. Es wäre an der Zeit, einen Architektenwettbewerb zu weniger Versiegelung und passivem Hochwasserschutz auszurufen.

Dorf an der Mosel
Dorf an der Mosel - hier ist man z.B. durch erhöhten Hauseingang, Hausanschlüsse und leicht zu säubernde Innenflächen auf Hochwasser architektonisch vorbereitet

Hochwasserschutz-Architektur kann allerdings nur da sinnvoll sein, wo bereits Siedlungen in hochwassergefährdenden Bereichen existieren. Hochwasserschutz am Bau macht ein Haus meist viel teurer (Experten gehen von etwa 10% der Rohbausumme zusätzlich aus), daher sollte man allein aus finanziellen Gründen Flussauen meiden, denn:

Hochwasserangepasste Architektur kann kein Ersatz für fahrlässige Bebauungspläne in Retentionsflächen bedeuten!

Gebäude, das auf Stelzen steht - bis auf den Eingang.
Hier gibt es ebenfalls wenig Angriffsfläche für Hochwasser- allenfalls der Eingang ist noch gefährdet und das (allerdings bewegbare) Automobil.
Wuppertal.
Mobilität nicht entlang sonder über den Fluss - die Wuppertaler Schwebebahn. Hier kann man sich streiten, ob das nun wirklich aus Hochwasserschutz- , Image- oder Platzgründen geschah.

Hochwasser-Schutz durch energie- und flächensparende Architektur- überall

Im weiteren Sinn wäre Architektur Hochwasserschutz-Architektur, die Energie spart Versiegelung vermeidet und Regenversickerung bzw. Regenwassernutzung ermöglicht. Diese kleinen Maßnahmen können an jedem Standort erfolgen und sparen auch für den Eigentümer auf Dauer große Kosten. Greifen Sie die kommunalen und sonstigen Fördermittel ab!

Guter Linktipp:

  • Hochwasserschutz-Fibel des Bundesbauministeriums der BRD hier downloadbar.

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19.03.2004 9:19 updated by Bene