Hochwasserschutz - allein durch Deiche und Technik?

Massives Sperrwerk an der Küste.
Massives Sperrwerk an der friesischen Küste vor Terschelling, das den Seedeich schützt.

Deiche sind eine tolle Sache, sie tun vor allem eins: beruhigen.

Der Deich galt lange als Rettung vor den Naturgewalten, seitdem u.a. der preußische Staat vor mehr als hundert Jahren als erster deutscher Staat ein massives Verbauungsprogramm mittels Eindeichung gefördert hat (mehr dazu hier). Der Rhein als Beispiel hat durch Deiche vier Fünftel seiner Aue verloren, viele der ursprünglichen Rheinschleifen wurden "durchstochen".

Ein Deich kann zwar durchaus sinnvoll sein, aber er wirkt leider auch nicht besonders ökologisch. Er zerschneidet die Flussysteme und greift in die Aue nicht nur oberflächlich ein. So unterbindet er den unterirdischen Wasseraustausch zwischen den typischen Wasserflächen in der Aue genauso wie die Ausbreitung von Hochwasser oberflächlich.

 

Warnabsperrung: "Wegen Hochwasser Fuß- u. Radweg gesperrt".
 

Auch hochwassertechnisch ist der Deich& Co. ein zweischneidiges Schwert:

Dadurch dass der Fluss eingeengt ist, kommt es zu keiner Ausdehnung der Wassermassen. Außerdem wird die Flut nur schneller gemacht. Einige Länder, wie zum Beispiel Hessen, haben die Retentionsflächen z.B. des Rheins durch massiven Deichbau (überproportional zu anderen Rheinanliegern) stark eingeschränkt. Die Hochwasser gehen zwar an Hessen meist vorbei aber treffen dann die darunterliegenden Städte wie Köln härter. Am Negativbeispiel Hessen zeigt sich, dass das St.Floriansprinzip endlich durch eine länderübergreifende Inititative ersetzt werden müsste. Da aber Flächenmanagment und kommunaler Hochwasserschutz ein langfristiges und teures Geschäft sind, hat hier Gier und Trägheit oft eher das Sagen als übergreifende Solidarität.


Kleiner Flutpolder für Oberflächenwasser, der bei Bedarf eingestaut wird. Solche technischen Mittel helfen nur an bestimmten Stellen, werden häufig aber zum alleinigen Mittel des Wasserbaus. Dieser wurde offensichtlich noch nie benutzt.

Jede Gegend muss ein wenig Hochwasser zulassen, damit nicht der Schwächste dann alles abbekommt. Sperren, Flutpolder und Wehre sind ebenfalls eine günstige Lösung aber auch manchmal das Problem. Im Sommer 2002 brach ein älteres Stauwerk in Ostdeutschland fast - es hätte wahrscheinlich eine gefährliche Wasserwelle ausgelöst.
In Coesfeld/Westfalen verursachte die Verstopfung eines nagelneuen Oberflächenwasser-Kanals von der unscheinbaren Größe von etwa einem Meter Durchmesser eine hausgemachte Überschwemmung. Nach einem Niederschlag hatte sich Gestrüpp in den Stäben gefangen und das Wasser gestaut. Schaden: ein sechsstelligen Betrag (DM).
Deich in Mühlheim.Also ist Technik nicht immer die Lösung, wenn auch niemand ernsthaft auf Deiche verzichten kann.

Leider vermittelt ein Deich zwar der einen Region eine faktische/psychologische Hochwassersicherheit, doch mit der fehlenden Retentionsfläche wird erkauft, dass flussabwärts sich das Hochwasser noch verschärft.

 

zurück zur FAQ-Übersicht

Bitte Disclaimer beachten
14.06.2004 0:09 updated by Bene