Wann
ist ein Hochwasser in ein "Jahrhunderthochwasser"
oder gar
ein "Jahrtausendhochwasser"?
Diese
Begriffe kommen aus dem Deichbau, man wollte damit zeigen, für wie wahrscheinlich
man einen Deichbruch hielt. So ist es zum Beispiel meist nicht volkswirtschaftlich
sinnvoll gewesen, Deiche für 1000-jährige Hochwasser zu bauen. Aber heute sind die Maßstäbe aus vergangenen Jahrzehnten verrückt. Das liegt vor allem an dem erhöhtem "Input", den Wassermengen, die vom Himmel fallen. Wenn Fernsehsender und Politiker und selbst Behörden angesichts der Wassermassen schnell von der "Jahrhundertflut" sprechen, stimmt das insofern nur bedingt. | |||
Wassermassen
der hochwasserführenden Saale passieren eine betonierte Staustufe.
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Wenn
das"Jahrtausend- Jahrhunderthochwasser" gar keins ist -
warum
hört man es so oft?
![]() Überflutungen auf einem Hof in Süddeutschland. Bildnachweis 1 |
| Eine
erstaunlich große Menge von Verantwortlichen und Journalisten haben diese
Begriffe fest in ihrem Repertoire. Dafür gibt es zwei `psychologische
Gründe´. Einerseits hört sich "Jahrtausendhochwasser"
für die Hochwasser des Sommers 2002 passender an, wenn man die betroffenen
Menschen und ihr persönliches Schicksal nur in dieser höchsten Kategorie
beurteilen möchte - das ist sozusagen ein Ausdruck für die große
Mitbetroffenheit mit den Opfern. Das ist sicherlich angebracht und menschlich
verständlich. Aber es steckt auch ein perfideres psychologisches Motiv dahinter, die nicht wirklichkeitsgetreuen Begriffe zu verwenden: sie sind deshalb auch gerne gewählt, um die Menschen zu beruhigen nach dem Motto: "Jahrhundertereignis- Dieses eine Mal und dann 90 Jahre nicht mehr". Grade Politiker sind schnell dabei, möglichst von einem "Jahrtausendereignis" zu sprechen, hilft es doch, zunächst sein öffentliches Mitgefühl im Superlativ zu verstreuen, gleichzeitig hintenherum zu beruhigen und danach schnell wieder weiterzumachen wie bisher. Einem Umdenken und einer Anpassung steht eine solche Fehlleistung entgegen. Daher ist der auch von Journalisten gerne gebrauchte Begriff "Jahrhundert" oder "Jahrtausendhochwasser" nicht besonders hilfreich zur Aufklärung. Zwar sind die Medien meist sehr intensiv dabei, wenn es um bundesweit bedeutende Hochwasser geht. Wochenlang gab es eine Art "Flut-TV", Spezialausgaben nahezu aller Magazine und Zeitungen informierten - zu Recht - über das Thema. Die Qualität der Beiträge ist meist recht hoch, dennoch hört man immer wieder Sprüche wie "Krieg gegen das Wasser". |
Leider spielt Hochwasser bei dem Großteil der Medien nur im Format der Katastrophenberichterstattung eine Rolle. Ist das Wasser weg, die Spenden an die üblichen Organisationen verteilt, die News-Agenda längst woanders, kümmert man sich in den Redaktionen oft nicht mehr nachhaltig um das Thema ( | |
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25.03.2004 23:39 updated by Bene