Kosten und Schäden von Hochwassern

Das "Jahrtausendhochwasser 2002" kostete jeden Bundesbürger eine Summe in der Größenordnung von etwa 130 Euro*

Schadenstabelle - Spitzenschäden bei Privathaushalten und Wirtschaft - kaum welche bei der Landwirtschaft.
 

In der Berechnung der Schäden durch die Flutkatastrophe 2002 gehen die Schätzungen seriöser Quellen von 13 Milliarden bzw. 9,2 Milliarden (europaweit bzw. deutschlandweit /Münchener Rückversicherung), 9,1 Milliarden (offizielle Zahl der Bundesregierung) bis 25 Milliarden Euro (Bundesanstaltfür Gewässerkunde). *Würde man z.B. erstere Zahl auf jeden Bundesbürger umlegen, so kämen Belastungen von etwa 130 Euro pro Nase (bei 70 Mill. Bundesbürgern) heraus.

Nur ein Rechenspiel?
Tatsächlich wurde die für 2003 geplante Steuersenkung (Stufe der Steuerreform) von der Bundesregierung als Reaktion auf die Flut verschoben, so dass dieses kleine Gedanken-Spielchen durchaus ernster genommen werden kann, als es erscheint. Es wurde durch die Bundesregierung aufgrund der Flutkatastrophe eine erhöhte Steuerbelastung für jeden Bürger durchgesetzt. Diese Gelder flossen allerdings nicht unbedingt in präventiven Hochwasser- und/oder Auenschutz, sondern waren reine Nachsorgeschäden/Entschädigungsleistungen zur ungefähren Wiederherstellung des alten Standes.
Schadenstabelle (in Klammern davon versichert): BRD hat 9,2 (1,8), Österreich und Tschechien ca.2-3 (0,4 bzw. 0,9), Europa etwa über 15 Milliarden Euro Schäden. (3,1)
Die Versicherungsleistungen sind bei den betroffenen Ländern unterschiedlich hoch und damit auch die Chance, Geld jenseits staatlicher Leistungen zu bekommen.

 

Wieso gibt es bei Hochwassern so hohe Schäden?

Überschwemmungen (also auch maritime Überschwemmungen) brachten es 2001 weltweit auf die höchste Zahl von Todesopfern (4.400) und mit ca. 28 Milliarden Euro die Häfte der Schadenssumme durch Naturkatastrophen (Quelle: Münchener Rück).
Damit stehen Hochwasser an der Spitze aller Naturkatastrophen - weil der Mensch nicht darauf eingerichtet ist. Es gibt viele Ursachen, warum Hochwasser so teuer sind.

Falsche Politik auf kommunaler und Länderebene: Bisher verkauften und verkaufen Kommunen aufgrund ständiger finanzieller `Klammheit´ ihre gefährdeten Grundstücke in den Auen. Auch Wirtschaftsbetriebe expandieren in die meist noch unbebauten Auen. Bei Privatleuten steht der verständliche Wunsch, mit Blick auf das Wasser zu wohnen, der potenziellen Gefahr von Überschwemmung entgegen.

Fehlende Einstellung und "Erinnerungskultur" zu Hochwassern bei den Betroffenen: Wer in einer Flussaue ein Einfamilienhaus baut, hat oft keine Erfahrungen mit Hochwassern. Daher werden Keller ausgebaut, teure Geräte und Wertsachen vornehmlich im unteren Stockwerk oder auch im Keller gelagert, Hausanschlüsse wie üblich im Keller angebracht. Insbesondere die Waschmaschine ist traditionelles Kellergut und mittlerweile praktisch in jedem Kellergeschoß zu finden. Die meisten Deutschen haben im Erdgeschoß weitere "Schätze", Computer, Telefonanlage, Spülmaschine.... Kein Wunder, dass es teurer wird - siehe Grafik:
Tabelle, was die Deutschen im Haus haben: 1962 hatten z.B. 14% und 2003 98% der Deutschen eine Waschmaschine!
Neben dieser konkreten Information fehlt eine "Erinnerungskultur": Eine Generationen übergreifende Weitergabe von Erinnerung an und damit Bewusstsein von Hochwasserereignissen fehlt oft. Nach vielleicht zehn Jahren kommt das Hochwasser dann und trifft die Hausbesitzer völlig unvorbereitet. Kaum ist der Schaden behoben, ist es auch schon wieder verdrängt oder vergessen. Das Haus wird vielleicht nach 12 Jahren verkauft und niemand möchte beim Verkauf natürlich darauf hinweisen, dass die Gefahr besteht, in einem Hochwasser unterzugehen. Dann steht der neue Besitzer irgendwann unvorbereitet im Wasser....es beginnt von vorne. Selbst Kommunen und ihre Sachbearbeiter haben oft keine Erinnerungskultur an alte Hochwasser. Die einzigen, die aus guten Gründen eine fundierte Risikoanalyse machen, sind die Versicherungen (v.a. die Rückversicherer) und hier und dort Bürgeriniativen.

Fehlende Versicherung: Eine Hochwassergefahr besteht oft nicht konkret - auch außerhalb von traditionellen Gefahrgebieten kommt es aber zu Mini-Wasser-Schäden. Egal ob von Oberflächenwasser oder von übertretenden Kleingewässern - Versicherungen werden oft nicht abgeschlossen und dennoch nicht privat vorgesorgt, um Schäden zu minimieren.
Versicherungen schließen auf der anderen Seite für bestimmte Gebiete ihrerseits schon gar keine Policen mehr ab, weil das Risiko zu hoch ist (z.B. in einigen Kölner Stadtteilen oder an der Mosel). An einigen Stellen wird es also immer wieder Hochwasserschäden geben, die aus diesen beiden Gründen unversichert sein werden. Grade daher werden die Hochwasser auch teurer, wenn sie vermehrt auftreten. Wie teuer solche Ereignisse wirklich sind, ist schwer abzumessen, denn aufgrund der fehlenden Versicherungsleistungen hat man kaum angemessene Bewertungszahlen für die tatsächlichen Schäden. Die ausgefallenen Arbeitsstunden im Beruf, die zusätzlichen Transport- und Reinigungskosten und die meisten längerfristigen Folgekosten (erhöhter Heizbedarf, Spätfolgen) sind oft nicht eingerechnet.

Man muss allerdings auch sagen: Schäden werden Naturkatastrophen immer hervorbringen, selbst wenn die oben genannten Punkte beachtet werden würden.

Die Frage ist nur, ob wir nur von einem Hochwasser zum nächsten denken oder uns eine Politik der Prävention leisten, die ökologisch verträglich und im Sinne des Schutzes sinnvoll und nachhaltig ist.

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19.03.2004 9:27 updated by Bene