| Wieso
gibt es bei Hochwassern so hohe Schäden?
Überschwemmungen (also auch maritime Überschwemmungen) brachten es 2001
weltweit auf die höchste Zahl von Todesopfern (4.400) und mit ca. 28 Milliarden
Euro die Häfte der Schadenssumme durch Naturkatastrophen (Quelle:
Münchener Rück). Damit stehen Hochwasser an der Spitze
aller Naturkatastrophen - weil der Mensch nicht darauf eingerichtet ist. Es
gibt viele Ursachen, warum Hochwasser so teuer sind.
Falsche
Politik auf kommunaler und Länderebene: Bisher verkauften und verkaufen
Kommunen aufgrund ständiger finanzieller `Klammheit´ ihre gefährdeten
Grundstücke in den Auen. Auch Wirtschaftsbetriebe expandieren in die meist
noch unbebauten Auen. Bei Privatleuten steht der verständliche Wunsch, mit
Blick auf das Wasser zu wohnen, der potenziellen Gefahr von Überschwemmung
entgegen. Fehlende
Einstellung und "Erinnerungskultur" zu Hochwassern bei den Betroffenen:
Wer in einer Flussaue ein Einfamilienhaus baut, hat oft keine Erfahrungen mit
Hochwassern. Daher werden Keller ausgebaut, teure Geräte und Wertsachen vornehmlich
im unteren Stockwerk oder auch im Keller gelagert, Hausanschlüsse wie üblich
im Keller angebracht. Insbesondere die Waschmaschine ist traditionelles Kellergut
und mittlerweile praktisch in jedem Kellergeschoß zu finden. Die meisten
Deutschen haben im Erdgeschoß weitere "Schätze", Computer,
Telefonanlage, Spülmaschine.... Kein Wunder, dass es teurer wird - siehe
Grafik:
 Neben
dieser konkreten Information fehlt eine "Erinnerungskultur":
Eine Generationen übergreifende Weitergabe von Erinnerung an und damit Bewusstsein
von Hochwasserereignissen fehlt oft. Nach vielleicht zehn Jahren kommt das Hochwasser
dann und trifft die Hausbesitzer völlig unvorbereitet. Kaum ist der Schaden
behoben, ist es auch schon wieder verdrängt oder vergessen. Das Haus wird
vielleicht nach 12 Jahren verkauft und niemand möchte beim Verkauf natürlich
darauf hinweisen, dass die Gefahr besteht, in einem Hochwasser unterzugehen. Dann
steht der neue Besitzer irgendwann unvorbereitet im Wasser....es beginnt von vorne.
Selbst Kommunen und ihre Sachbearbeiter haben oft keine Erinnerungskultur an alte
Hochwasser. Die einzigen, die aus guten Gründen eine fundierte Risikoanalyse
machen, sind die Versicherungen (v.a. die Rückversicherer) und hier und dort
Bürgeriniativen. Fehlende
Versicherung: Eine Hochwassergefahr besteht oft nicht konkret - auch außerhalb
von traditionellen Gefahrgebieten kommt es aber zu Mini-Wasser-Schäden. Egal
ob von Oberflächenwasser oder von übertretenden Kleingewässern
- Versicherungen werden oft nicht abgeschlossen und dennoch nicht privat vorgesorgt,
um Schäden zu minimieren. Versicherungen
schließen auf der anderen Seite für bestimmte Gebiete ihrerseits schon
gar keine Policen mehr ab, weil das Risiko zu hoch ist (z.B. in einigen Kölner
Stadtteilen oder an der Mosel). An einigen Stellen wird es also immer wieder Hochwasserschäden
geben, die aus diesen beiden Gründen unversichert sein werden. Grade daher
werden die Hochwasser auch teurer, wenn sie vermehrt auftreten. Wie teuer solche
Ereignisse wirklich sind, ist schwer abzumessen, denn aufgrund der fehlenden Versicherungsleistungen
hat man kaum angemessene Bewertungszahlen für die tatsächlichen Schäden.
Die ausgefallenen Arbeitsstunden im Beruf, die zusätzlichen Transport- und
Reinigungskosten und die meisten längerfristigen Folgekosten (erhöhter
Heizbedarf, Spätfolgen) sind oft nicht eingerechnet. Man
muss allerdings auch sagen: Schäden werden Naturkatastrophen immer hervorbringen,
selbst wenn die oben genannten Punkte beachtet werden würden. Die
Frage ist nur, ob wir nur von einem Hochwasser zum nächsten denken oder uns
eine Politik der Prävention leisten, die ökologisch verträglich
und im Sinne des Schutzes sinnvoll und nachhaltig ist. |