Krank durch Flusswasser (Überschwemmung)?

Früher:

Noch zur Zeit des ersten Weltkriegs gab es Sumpffieber in den deutschen Feuchtgebieten, es gab Meldungen über Cholerafälle an der (damals noch unkanalisierten) Ruhr und Emscher. In der Linth-Ebene (in der Schweiz) grassierte Tuberkulose, Sumpffieber und Malaria, noch vor wenigen Jahrezehnten galt die Po-Ebene noch als Malaria-Gebiet.

Ein wichtiger Grund für den Flussausbau war es daher auch, dass man die Abwasser führende Flüsse möglichst in Bewegung hielt. Etwa um die Jahrhundertwende (des 20. Jahrhunderts) wurde der Zusammenhang zwischen Infektionen und verschmutztem Wasser entdeckt und zunächst mit Hilfe von Kanalisierung bekämpft. Später erkannte man, dass die Ursache bekämpft werden musste - die Einleitung ungeklärter Abwässer.

Im Hochwasserfall 1962 bestand durch Tier- und Menschenleichen akute Infektionsgefahr.

 

Heute:

Es besteht grundsätzlich auch heute dann eine Infektionsgefahr, wenn durch Hochwasser Klärbecken oder Abwasser führende Behälter und Leitungen überschwemmt werden. Mittlerweile scheint es nicht wahrscheinlich, dass sich Krankheiten wie die Cholera nach Überschwemmungen ausbreiten würden, da viele Erreger schlicht ausgestorben sind.

Eine "Allerweltsbakterie" ist da schon gefährlicher: In jedem stehenden Gewässer können sich die Coli-Bakterien vermehren, weltweit Auslöser Nr. 1 für Magen-Darm-Infektionen. Sie sind faktisch überall zu finden- besonders häufig bei fäkalen Verunreinigungen. Insbesondere bei hoher Wassertemperatur kann es daher bei Kontakt mit Wasser (egal woher) zu Magen-Darm-Problemen kommen. Außerdem kommen noch Salmonellen und andere Fäkalkeime als Erreger für Magen-Darm-Probleme in Betracht, wobei diese Gefahr auch z.B. bei belasteten Badeseen besteht.

Eine Hepatitis-A-Immunisierung ist für Hochwasser-Helfer meist vorgeschrieben oder zumindest empfohlen (lt. Hinweis des Landes Brandenburg). Hepatitis A wird (im Gegensatz zu den anderen Hepatitis-Formen) vor allem durch verunreinigtes Wasser (auch in/an Lebensmitteln) verursacht.

Wichtig neben der bakteriologische Erkrankung ist auch der Schutz vor Chemikalien, die aus Privathaushalten oder Industrieanlagen fahrlässigerweise ins Flusswasser gelangen. Gefahren-Meldungen sind dann von den Behörden herausgegeben, wenn die Lagerung & Überschwemmung bekannt wurde oder aufgrund von Notfallplänen angenommen wird. Bei Verursachern in Privathaushalten ist dies oft nicht der Fall, weil diese die Gefahr nicht erkennen/melden.

Großer Einfluss hat bei der Einschätzung der faktischen Gefahr durch biologische oder chemische Verunreinigungen auch der Verdünnungsfaktor, also die Mischung mit Wasser. Mittelbar ist also stehendes Wasser grundsätzlich problematischer, weil dort Vermischungen langsamer geschehen. Liegt der Verursacher im eigenen Haus oder direkt vor einem (in Fließrichtung) können auch kleine Verunreinigungen lokal gefährlich sein. Handschuhe, Desinfektionsmittel, die Meidung verseuchter Gegenstände (v.a. von Kadavern) und die Benutzung sauberen Trinkwassers können Risiken minimieren. Jeder, der allerdings im Hochwassergebiet war, weiß, dass diese sinnvollen Schutzmaßnahmen häufig nicht eingesetzt werden (können). Oft ist der Keimdruck durch das Abfließen/Versickern des Wassers nach einiger Zeit größer, da mehr Keime pro Liter vorhanden sind.

Mehr zu der Gefahr und der Prävention bei den zuständigen Hochwasser-Ämtern und bei den Gesundheitsbehörden.

 

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13.03.2007 10:40 updated by Bene