Zur "Psychologie" der öffentlichen Wahrnehmung
von Hochwasserkatastrophen

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1. Kurz und heftig- gegen- lang und schwierig

Grafik zeigt eine Waage auf der das Schadensverhältnis und die Entschädigung gegen die Prävention aufgewogen wird.

Wenn wir uns anschauen, wie Hochwasserereignisse in der Öffentlichkeit und Politik generell ablaufen, erkennen wir eine ungleiches Verhältnis, wir haben es als "Psychologische Waage" aufgezeichnet:

  • Hochwasser Ereignisse sind kurz und heftig . Das macht sie interessant für die Öffentlichkeit und die Medien - allerdings nur für den Moment. Jedes größere Ereignis wird als "Katastrophe" eingeschätzt, es läuft eine Routine professioneller Helfer ab. Spätestens nach einige Tagen rücken Rettungskräfte oder sogar die Bundeswehr an, dann fließen tröstende Politkerworte von den prominenten Tagestouristen (aller politischen Parteien) und Ausgleichzahlungen (meist kaum mehr als Trostpflaster) und bei großen Ereignissen auch Spendengelder.
  • Nachdem das Wasser weggekehrt wurde, ist das Interesse der Medien und der Öffentlichkeit weitgehend erlahmt. Nur direkt Betroffene interessieren sich noch - meist hauptsächlich für das versprochene Geld. Es herrscht ein hoher Zeitdruck, meist wird baulich versucht, den alten Status quo wiederherzustellen statt langfristige Lösungen anzustreben.
  • Nach einem halben Jahr sind dann die meisten Schäden behoben oder finanziell abgegolten, die entschädigt werden können. Die Öffentlichkeit wird das Ereignis meist kaum noch erinnern. Selbst viele Betroffenen verdrängen das Ereignis - es wird vielleicht in einem staubigen Archiv unter müder Statistik abgeheftet. Die meisten Betroffenen denken nicht ans wegziehen -aus verständlichen Gründen. Das Geld ist meist in die Wiederherstellung des alten Standes geflossen, ob nun offiziell (Deich wird geflickt) oder privat (Keller wird wieder eingeräumt). Nur noch "Experten" und Politiker verhandeln über Retentionsflächen - ohne Öffentlichkeit, meist jahrelang.

Wenn nicht gezielt die häufig betroffenen Regionen (also Städte) durch Wiederanbindung alter Flussüberschwemmungsflächen entlastet werden, dreht sich auch mit noch höherem Deich alles wieder genauso. Wenn der Fluss wieder kommt - und das kann Jahrzehnte aber auch nur Monate dauern.

Ökologie und präventiver Hochwasserschutz dagegen:
Langwierig, teuer und kompliziert?

Integrierter Hochwasserschutz ist teuer- entweder vorher oder nachher

Hochwasserschutz ist besonders teuer. Der sog. konventionelle Hochwasserschutz ist sehr teuer - das war schon immer so (siehe Exkurs). Ökologischer Hochwasserschutz (z.B. durch Auenprogramme) ist genauso teuer. Häufig kann ein Typ nicht den anderen ersetzen.

So ist z.B. bei einer ökologisch und hochwassertechnisch sinnvollen Rückanbindung von Altarmen mit einer Deichrückverlegung eine Doppelbelastung, die häufig gemieden wird. Statt einer Deicherhöhung auf alter Linie (konventionelle Lösung) kommt nämlich bei der größeren Variante noch die Summe für den Rückkauf der Auflächen und die zusätzlichen Deichmeter hinzu. Häufig wird kurzfristig gedacht und dann nur die Minimallösung durchgezogen: Deicherhöhung auf alter Linie.
Das ist billiger - unökologisch unsolidarisch gegenüber anderen Gemeinden und kann später ganz schön teuer werden.

Flusslandschaft.

Hochwasser ist keine Sache von Experten alleine

In Deutschland verfügen wir über einige der am besten ausgerüsteten Katastrophenhilfsorganisationen und über eine lange Tradition von ingenieurwissenschaftlich orientierten Wasserbau-Experten. Dieses System hat seine Berechtigung, dennoch betrifft Flussausbaupolitik, Raumplanung und Hochwasser alle. Statt einer breiten Beteiligung und Information der Bevölkerung wird häufig irgendwo von irgendwem ein Hochwasserschutzkonzept entwickelt. Dass Einflussmöglichkeiten da sind, ist oft den Betroffenen nicht bekannt.

Kommunen sind die Hochwasser-Schützer Nr. 1...
oder könnten es in Zukunft sein!

Die Kommunen sind "klamm" - in doppeltem Sinn. Wenn ein Industrie- oder Baugebiet in niedrig gelegenen Bereichen ausgewiesen wird bekommt die Kommune Gelder. Wenn die Kommune allerdings zunächst Experten und Bevölkerung beteiligt, nach alternativen Konzepten ohne Flächenverbrauch sucht, gilt dies als teuer und bürokratisch. Am Ende tragen diejenigen die Kosten der Schnellschussplanung, die in die Flussauen gezogen sind und nicht informiert wurden.

Selbst wenn Geld für Hochwasserschutz da ist, denken Kommunen oft nicht über die eigene Stadtgrenze hinaus: "Wir deichen bei uns Hochwassergebiete ein und nach uns...die Sintflut". Mangelnde Solidarität und Ignoranz ist häufig anzutreffen.

Solidarität ist gefordert, denn Hochwasser mögen regionale Probleme sein, doch haben sie überregionale Ursachen. Bestimmte Länder, z.B. Hessen haben sich in den letzten Jahrzehnten nicht an Auenprogrammen beteiligt, weil sie selber nicht betroffen waren, die tiefer liegenden Gegenden tragen die Folgen! Zugegebener Maßen sind der Aufkauf von Flächen und der Rückbau von Deichen teuer- aber die Folgen falscher Hochwasserpolitik auch. Auf internationaler bis lokaler Ebene kann man schnell schwarze Schafe finden, die aus Uneinsichtigkeit oder finanziellen Gründen keine vorbeugenden Maßnahmen vor Ort machen. Es muss ein grundsätzliches Bewusstsein her und ein miteinander (überregional) abgestimmtes Hochwassermanagement mit ökologischem und (nur wo nicht anders machbar) technisch-konventionellem Hochwasserschutz. Dabei muss die Landwirtschaft einen besonderen Teil dazu beitragen, die bewohnten Städte zu entlasten, indem sie in Auregionen höchsten extensive Bewirtschaftung betreibt. Karikatur einer Wathose.
Angesagte Sommerhose im Modejahr 1988, 97, 99, 2002....2005....?

Stichwort Prävention im baulichen Hochwasserschutz: Es gibt lt. Bundesverkehrsministerium keine einzige geltende Regelung für hochwasserangepasstes Bauen, die letzte wurde vor 20 Jahren in NRW abgeschafft.

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05.02.2006 11:42 updated by Bene