Wie sollte man auf Hochwasser persönlich reagieren
oder sich darauf vorbereiten?

Obwohl Hochwasser mit einer gewissen Vorhersagbarkeit ablaufen, wäre es unseriös spezifische Tipps an dieser Stelle zu geben, was wann zu tun wäre, denn:

 
Kein Hochwasser ist so wie das andere, nicht einmal an der selben Stelle. Beobachte und verfolge daher aktuelle Entwicklungen aufmerksam und frühzeitig!

Einige Tipps für die Prävention vor einem akuten Hochwasserereignis

Wichtigstes Instrument ist eine "Checkliste", die wichtige Aufgaben, Handlungsabläufe sowie Informationen bündelt. (Hier sollte in jedem Fall auch die Telefonnummer der Hochwassermeldebehörde sowie Sammelpunkte drin stehen.) Checklisten sollten alle Punkte enthalten, die wichtig sind und alle Fragen, die sich im Einzelfall stellen könnten. Checklisten schaffen Routine und helfen, einen Überblick über die wichtigsten Aufgaben zu haben.
Manche Betroffene, Fachbuchautoren und auch Internetseiten geben für klassische Überschwemmungsgebiete den Rat, sich ein "Hochwasser-Set" oder eine "Hochwasser-Box" zu packen, die einmal pro Halbjahr auf Vollständigkeit gecheckt werden soll. In dieses Set solen ausschließlich Dinge gelangen, die nur im Fall des Hochwassers genutzt werden können - Begründung: anderweitig genutzte Gegenstände (wie z.B. Werkzeug) könnten im Notfall doch wieder irgendwo gelandet sein oder (wie Taschenlampen) im Notfall unbrauchbar sein. Der Begriff "Set" ist umfassender gemeint- es kann auch eine bestimmte Lagerstätte sein, die allen Bewohnern bekannt ist (und die am besten nicht sofort mit überschwemmt wird). Vorschläge für den Inhalt eines solchen Sets (ohne Gewähr auf Vollständigkeit).

  • Ansonsten kann man sich schon mal mit dem Gedanken anfreunden, was passiert, wenn der Keller bzw. die unteren Geschosse voll laufen.
    Keller und Erdgeschoss sind heute durchaus so ausbaubar wie jede andere Wohnfläche und haben oft sehr teure Güter (Heimkinoanlage/Partykelleranlage/ Gefriertruhen/Maschinen/Werkbank) oder in Verbindung mit Wasser gefährliche Substanzen (lösliche Chemie, Ölreste).
    Bitte nur das im Keller lagern, was A) eine Überschwemmung überstehen könnte oder B) leicht und schnell abgebaut werden kann.
  • Der klassische Problem-Fall ist die Ölheizung und der Öltank, der bei einem Hochwasser aufgeschwemmt wird und das Öl die gesamte Wohnung und die Umwelt langfristig unbewohnbar macht bzw. verseucht. Während eine normale Überschwemmung bei gesicherten Öllagerstätten gibt es zwar Feuchteschäden, aber keinen "privaten Chemieunfall". Die Druck- und Auftriebskräfte auf Behälter werden oft unterschätzt. (Kleines Rechenbeispiel: Auf einen 3.000 Liter-Öltank, der fast leer ist wirken bei vollständiger Überschwemmung ein Druck von etwa 3 Tonnen minus das Eigengewicht der Anlage! So kommen schnell 2 Tonnen Auftrieb zusammen, die von einfachen Verankerungen kaum gehalten werden.) Ein Fachmann berät hier gerne, wie man ein Aufschwemmen verhindern kann.
  • Wertgegenstände, Dokumenten (insbesondere schwierig zu transportierende, wie Bilder/Kunstgegenstände) sollten nicht im Keller gelagert werden. Immer ggf. Kopien an anderen Orten lagern, sofern möglich.
  • Autos und bewegbare Gegenstände sowie ggf. Tiere in Sicherheit auf höheres Gebiet bringen, sofern Zeit bleibt. Dabei darauf achten, dass kein Zugangsweg versperrt wird.
  • Bei einem Hochwasser schwimmt alles weg, was nicht durch Räume gesichert oder angebunden ist. Beispielsweise Holzbalken, Container oder auch ander schwimmfähige Gegenstände müssen angebunden oder gesichert werden.
  • Technisch lösbar ist auch das Problem des Rückschlags von Wasser durch die Kanalisation (häufiger Schadensfall!), hier kann ein Rückschlagventil bei allen unterhalb der nächsten Kanalöffnung liegenden Abflüssen sinnvoll sein.
  • Macht Hochwasser zum Thema in der Familie/ Hausgemeinschaft auch in der Nachbarschaft, in der Kommune- möglicherweise gibt es bereits "Fachleute"?! Ein detaillierter privater Notfallplan ist zwar nicht unbedingt nötig, aber vielleicht eine Checkliste, die man abhaken kann.
  • "Und wenn ich in Urlaub bin?" Böse Überraschungen lassen sich vermeiden, wenn geklärt ist, wer bei Abwesenheit das Haus wie betreten kann, um bei drohendem Hochwasser zumindest einige Werte zu retten. Die beste Hochwasserpumpe nutzt nichts, wenn der Nachbar sie weder finden noch bedienen kann.
  • Guter Linktipp- auch zum baulichen Hochwasserschutz:
Hochwasserschutz-Fibel des Bundesbauministeriums der BRD hier downloadbar.
  • Außerdem gibt es vom Zivilschutzverband Österreichs noch eine Handreichung mit detaillierten technischen Fragen (hier einsehbar). Weitere Infoquellen unter LINKS.
  • Zu dem Punkt "Hochwasservorsorge" gibt es im Bayerischen Landesamt für Wasserwirtschaft eine weiterführende Information.

 

Tipps während eines akuten Hochwassers:

 

Es gibt für die meisten Länder und Landkreise sowie für größere Städte Behörden, die die Flusspegel kontrollieren. Eine bundesweite Liste der Hochwasserzentralen (incl. europäischer Anrainerstaaten) gibt es unter www.hochwasserzentralen.de. Die Ämter müssen bei bestimmten Pegeln eine öffentliche Hochwasserwarnung (in mehreren Stufen) herausgeben*. Zusätzlich sind die Wetterdienste wie der Deutsche Wetterdienst gute bis mäßig gute Infoquellen*.

 

*= Kritische Anmerkung: Das Problem bei den letzten "Jahrhunderthochwassern" war, dass sie von relativ unscheinbaren Bächen ausgegangen sind an denen kaum Messstationen lagen und die nicht so aufmerksam beobachtet werden. Die größeren Flüsse werden extremer wirtschaftlich genutzt, z.B. für die Schifffahrt, daher werden diese sehr genau beobachtet. Sensibilität ist jedoch auch bei kleinen Bächen mit großem Einzugsgebiet und/oder starkem Gefälle (Bergregion) nötig.

Helfen können neben amtlichen Informationen die Erfahrungsberichte anderer Betroffener und aktuelle Meldungen der Medien.

Stichwort Grundwassereinbruch:
Beachtung sollte auch ein scheinbar durch einen Deich "gebanntes Hochwasser" finden, dass hinter einem naheliegenden Deich bleibt, denn über den erhöhten Grundwasserspiegel kann schleichend Wasser eindringen und der Keller volllaufen! Insbesondere bei längerem Hochwasser kann dieser Prozess langsamer und später als das sichtbare Hochwasser auf der Öberfläche auftreten und auch weggehen. Näheres zum Thema Deich.

Auf das Wetter achten!
Es gibt auch hier keine Faustformel, aber meist geht dem Ereignis ein besonders starkes Regenaufkommen voraus aber dies kann durchaus am späteren Überschwemmungsgebiet wenig bemerkbar sein, wenn das Fließgewässer besonders viele oder entfernte Zuflüsse hat. Besonders bei der Kombination von Regen und gefrorenem Boden kann schnell eine Flut entstehen.

Aktuelle Informationen helfen, richtige und zeitnahe Entscheidungen zu treffen!
Man sollte sich ständig über die offiziellen Pegel- und Wetter-Prognosen und deren Entwicklung informieren - am besten ist ein netzstromunabhängiges Radio (Handys und Telefone sind meist abgeschaltet und/oder überlastet, TV zu überregional). Was man zur Sicherung von Hab und Gut sowie der Bewohner tun kann, soll man tun. Bitte auch auf Nachbarn achten, die möglicherweise (durch Alter/körperliche Behinderung) sich selber nicht evakuieren können. Nicht Deutsch sprechende Nachbarn verstehen möglicherweise Warnungen (z.B. Radiomeldungen) nicht, also im Zweifel kurz vorbei schauen. Kontrollieren Sie vor Verlassen des Hauses alle anderen Wohnungen (auch auf Haustiere).

Bei Überflutung
Scheint es wahrscheinlich, dass man vollständig überflutet und abgeschnitten wird, sollte man sich darauf einstellen, mehrere Tage weder Strom noch Trinkwasser zu bekommen - grad trinkbares Wasser ist später ein Problem, das oft zu Beginn vergessen wird aber später wichtig wird. Strom und Wasser können tödliche Stromschocks auslösen, liegt ein Teil oder alle Stromleitungen in überfluteten Bereichen, sollte man die Hausversorgung vor Eindringen des Wassers abschalten - Hauptsicherung ziehen! Eine alternative Stromversorgung (per Notstromaggregat) kann trotz abgeschaltetem Strom noch Pumpen betreiben.
Möglicherweise können durch lange oder starke Wassereinwirkung Erde/Dämme/Erdfundamente weich werden. Bitte auf Hinweise der Erosion/Durchsickerung achten, feuchte Erde kann nicht mehr so belastet werden und kann abrutschen.

Kontrollierte Flutung?
Entscheide, welche Räume eher volllaufen können als andere. Eine kontrollierte Flutung (ggf. mit sauberem Leitungs-Wasser) ist besser als ein plötzliches Nachgeben der Schutzwände oder gar von Gebäudeteilen!

Tritt bereits Wasser ein, den Bereich unterhalb der Wasserlinie nur dann betreten, wenn kein plötzlicher Wassereinbruch (z.B. durch Bruch einer Abdichtung) zu befürchten ist. Wenn z.B. der Aufstieg aus einem Keller nicht mehr möglich ist, kann dies tödliche Folgen haben. Bei Sicherungsarbeiten nie alleine arbeiten!

Gesundheit:
Vor allem Öltanks/Chemikalien/wasserlösliche Gefahrstoffe sichern oder umlagern, sonst verschlimmert sich der Schaden für Mensch und Umwelt (z.B. ist das Haus durch chemische Verseuchung oder Öl unbewohnbar). Chemische Verunreinigungen können von Chemiewerken oder/und von Privatquellen her kommen, erstere sind meist bekannt und werden per Radio gemeldet, letztere sind häufig nicht bekannt und daher tückischer.
Es sei auch auf die Infektionsgefahr durch Fäkalien hingewiesen, das Tragen von Schutzkleidung bzw. ggf. eine Hepatitis-A-Immunisierung sind für Hochwasser-Helfer meist vorgeschrieben oder zumindest empfohlen (lt. Hinweis des Landes Brandenburg). Das Wasser kann sowohl bakteriell wie auch chemisch verseucht sein, also durch mitgeschwemmte Chemie belastet sein. Kontakt zu angeschwemmten Gegenständen (insb. zu Tierkadavern, Fässern) vermeiden bzw. minimieren. Nur sauberes/desinfiziertes Wasser trinken. Dies sind empfohlene Vorsichtmaßnahmen, für Panik in Bezug auf Infektionen besteht kein Anlass: in den letzten Hochwasserkatastrophen gab es keine große Infektionswelle obwohl von der Lufttemperatur dafür ideale Verhältnisse geherrscht hätten. Hinzu kommt die große Verdünnung - welche allerdings bei am oder in der Nähe des Einsatzortes liegenden Verunreinigungen nicht zum Tragen kommt.

Man sollte den Anweisungen der Polizei/Feuerwehr/THW oder anderen Einsatzkräften des Zivilschutzes unbedingt folgen!
Oft zeigt sich: Das Wasser kann man in der Regel nicht mit eigenen zur Verfügung stehenden Mitteln aufhalten, was man tun kann, ist den Schaden begrenzen.

zurück zur FAQ-Übersicht

 

Tipps nach einem Hochwasser:

 

Für das nächste Mal dokumentieren!
Auch jenseits von Schadensersatzforderungen: Eine ausführliche Dokumentation hilft bei einem weiteren Ereignis, genauer und besser zu reagieren, wird aber meist vergessen oder geht im Streß unter. Jeder muss auch überlegen, welche Konsequenzen er für das nächste Mal aus dem Hochwasser zieht! Man sollte alle Schäden aber auch den Verlauf/das Ausmaß der Überschwemmungen dokumentieren (Foto, Bericht, Markierungen etc.) und sich bei Behörden & Versicherungen möglichst schnell melden.

Schäden beseitigen
Zur Beseitigung von Schlamm ist nur zu sagen, dass Schlamm in trockenem Zustand betonhart werden kann, er sollte im noch feuchten Zustand herausgespült oder abgetragen werden. Schlamm enthält übrigens höhere Konzentrationen von Schwermetallen/Schadstoffen, sofern er kontaminiert ist.
Ob ein sofortiges Abpumpen des Wassers für ein Gebäude nützlich ist oder den Schaden vergrößert - darüber gibt es unterschiedliche Meinungen (bei Fachleuten oder ggf. in Internetforen informieren) und ist abhängig von der Bauart des Gebäudes und der Dauer der Überschwemmung. Gefährlich ist vor allem das Abpumpen von Wasser in einem Gebäude, wenn außen das Wasser noch gegen die Mauern drückt, weil durch den enormen Druck Wände reissen können. Auch über die Frage, wie langsam oder schnell man ein Gebäude trocknen sollte, kann nicht pauschal geantwortet werden.
Nach einem Hochwasser haben die Reinigungskräfte oft viel zu tun. Bitte achtet darauf, dass der Müll auch ordnungsgemäß getrennt wird und nicht Sondermüll und Hausmüll gemischt wird.


Grundsatz bei Hochwassern: Menschenleben vor Hab & Gut!

Im Sommerhochwasser 2002 starben Menschen, weil sie trotz Warnung/angeordneter Evakuierung noch ihr Hab und Gut sichern wollten. Niemand sollte bei angeordneter Evakuierung sich widersetzen, denn er gefährdet nicht nur sich, sondern auch die Einsatzkräfte, die ihn ggf. bergen müssen. Menschenleben geht vor Sicherung von materiellen Gütern. Weiteres im der Linkliste

zurück zur FAQ-Übersicht

Bitte Disclaimer beachten
24.08.2005 9:22 updated by Bene