Versiegelung als Faktor im Hochwasserschutz

1. Was sagt die Statistik über Versiegelung?

Bild zeigt: Zwei Bagger planieren eine ehemals offene Gartensiedlung für eine Umgehungsstraße. Neubau einer Straße(Essen).
Wie die unten gezeigte Grafik zeigt, scheint die Bundesrepublik insgesamt von viel Wald und Landwirtschaft geprägt. Doch dieser Eindruck täuscht, denn fast nirgendwo sonst gibt es ein Land, was annähernd so dicht besiedelt ist wie Deutschland. In der Bundesrepublik gibt es z.B. insgesamt mehr Verkehrsflächen als Wasserflächen. Auch der Anteil der (hier zusammengefassten) Gebäude/nicht genutzer Freifläche ist relativ hoch. Grade durch Straßenverkehr und den Bau von Gewerbeparks und Häusern steigt der Anteil der versiegelten Fläche noch. In der Bundesrepublik sind mehr als 12,4 % der Fläche stark versiegelt.

 

Forst- und Landwirtschaft: Kleiner Versiegelungfaktor mal große Fläche.
Traditionelle Landwirtschaft: Pferdepflug.Moderne Landwirtschaft: Mähdrescher.

Landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Flächen machen mehr als zwei Drittel der Fläche der BRD aus. Durch die neuen Bewirtschaftungsmethoden mit schweren Maschinen wird der Boden verdichtet. Selbst wenn die Bodenverdichtung nicht wie im Straßenbau 100% beträgt - allein die Fläche macht diese Bereiche zu Problemkindern.

Mehr dazu unten.

Früher und heute.  

Raubbau an Wäldern, wie hier durch den zum RWE-Konzern gehörenden Braunkohlenmagnaten "Rheinbraun" in Etzweiler, führt ebenfalls dazu, dass weniger Wasser zurückgehalten wird. Die Wasser-Rückhaltebilanz funktionsfähiger Wälder ist in ihrem Beitrag von Wasser zu Fläche kaum noch zu überbieten.


Regional ist die Versiegelung noch höher- vor allem im urbanen Bereichen. Das erscheint wenig, jedoch wird TÄGLICH eine 117 Hektar große Fläche versiegelt. Das wären 160 Fußballfelder pro Tag an neuversiegelter Fläche (Quelle: Stat. Bundesamt). Durch die Tatsache, dass wir mit dem Ruhrgebiet, dem Rhein-Main-Gebiet und mit den Großstädten zu den dichtbesiedelsten Raum der Welt gehören, sind wir auch die am massivsten versiegelte Fläche überhaupt
  
.Grafik zur Flächennutzung in der BRD: Über 2/3 machen Wald und Landwirtschaft, der Rest fast nur versiegelte Flächen aus.

Das hat Folgen:

  • Experten schätzen, dass durch die Bewirtschaftung von Forsten und landwirtschaftlichen Flächen bis zu 3 % des Speichervolumens für Wasser verloren gehen - bei dem großen Anteil folgt daraus eine vermehrte Oberflächenwasserabgabe - mehr Hochwasser-Input.
  • In besiedelten Räumen kommt wesentlich mehr als 3% des Speichervermögens unter die Räder - bis zu 100% des Bodens ist versiegelt und das Wasser ist sofort in der Kanalisation bzw. kurze Zeit später im Fluss.

  

2. Ein aktuelles Beispiel:
Kommunen als Profiteure und Mitverursacher von Versiegelung

Wie dieses, am 1. Februar 2004 aufgenommene Werbeposter für ein Bauprojekt in der Steveraue der Stadt Nottuln-Appelhülsen (Münsterland) zeigt, ist es offenbar noch immer kein Thema, in einer Flussaue zu bauen und dies sogar noch als "attraktiv" zu verkaufen. Jenseits der ökologischen Bedenken sind problematische Siedlungsprojekte wie das der Stadt Nottuln-Appelhülsen keine Ausnahme. Hier ist mit keinem Wort auf die latente Hochwassergefahr hingewiesen, die Bauvorhaben in Flussnähe beinhalten. Auf der angegebenen Webseite wird mit Fotos von der Stever geworben und behauptet, es seien genug "Retentantionsflächen" vorhanden. Bevor der Zug für Hochwasserschutz abgefahren ist, sollte man lieber woanders bauen.

Bad Style!


Bagger an einer Autobahnverbreiterung.


3. Kommunen als Hochwasser-Opfer:
Wie die Grafik (nach Zahlen der Bundesregierung) zeigt, waren Land und Kommunen im Augusthochwasser 2002 am stärksten betroffen. Zunächst direkt aber eben auch indirekt durch die Schäden bei den Privathaushalten, die sich später im schwachen Konsumverhalten etc. wiederfinden:

Fazit: An unseren zwei Beispielen aus der Praxis zeigt sich, wie schizophren Kommunen in Sachen Hochwasserschutz arbeiten. Und dass jenseits der klassischen Hochwasser-Gebiete auch bei anderen Kommunen ein Umdenken passieren muss, damit man Hochwasserschäden schon im Anfang verhindert.

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03.07.2004 20:41 updated by Bene