"...fährt dauernd in Schlangenlinien"
oder: Wie "funktioniert" ein Fluss?
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| Was ist Fließgewässer-Morphologie? Morphologie ist die Wissenschaft von der Gestalt, oder in unserem Fall anders ausgedrückt: Die Wissenschaft, die die Formen und Funktionen von Gewässern untersucht. Während man früher z.B. lange auf die Wasserqualität geschielt hat und dort auch deutliche Verbesserungen erzielt hat, war die Frage, wie verbaut oder unverbaut unsere Gewässer sind, eher nebensächlich. Momentan ist Fließgewässermorphologie "hip". Das liegt auch an dem Zusammenhang von Fließgewässermorphologie und Hochwasserproblematik - mehr dazu hier. Lange konnte man sich nicht so richtig einigen, wie man die morphologische Güte eines Gewässers misst und bezeichnet. Mittlerweile hat sich ein 7-stufiges Modell in der Wissenschaft durchgesetzt. Wir benutzen in unserer Übersicht für unseren Kombi-Leitfaden aber ein 4-Stufen-Modell, weil es einfacher ist und die drei fehlenden Stufen "nur" Zwischenstufen waren. Checkt mal unseren Kombileitfaden im Download-Bereich, um zu erfahren, welche Stufe wie aussieht. | ||
Die
Tropfen fallen auf den Boden und - sofern sie nicht im Boden versinken - sammeln
sie sich zu Rinnsalen, die wiederum kleine Bäche bilden, die dann zu Flüssen
und Strömen zusammenfließen und letztlich im Meer münden. Auch
die im Erdreich versunkenen Tropfen verschwinden nicht auf ewig - sie bilden Grundwasserströme,
die - wenn sie an die Oberfläche treten - Quellen bilden. All diese Wassermassen
werden nur von einer Kraft bewegt: der Erdanziehungskraft. |
Bei ihrer Reise sind die Wassermassen allerdings nicht alleine. Fließendes Wasser reißt feste Teilchen mit und zwar um so mehr, je schneller es ist. Ein kleines Rinnsal beispielsweise kann in jedem Augenblick zwar nur eine kaum messbare Menge Partikel vom Untergrund abschleifen und wegtransportieren - aber über geologische Zeiträume sind das Tonnen an Material. Man spricht hierbei von Erosion. | ||
| Sinkt
die Fliessgeschwindigkeit des Wassers ab, etwa in einer Flussschlinge oder bei
geringerem Gefälle im Flachland, können Teilchen eines bestimmten Gewichts
nicht mehr transportiert werden und fallen zu Boden. Diesen, der Erosion quasi
entgegengesetzte Prozess nennt man Sedimentation. Die abgelagerten Partikel
sind die Sedimente. Es werden durch das Wasser also ständig Bodenteilchen, Steine, Salze und Pflanzenteile von einem Ort zum anderen bewegt - und das seit Jahrmillionen! So verändert sich - letztlich durch die Energie der Sonne - das Bild unserer Landschaft ganz gewaltig. | ||
| Im
Grunde sieht man also Erosion (und Sedimentation) sogar bei Kindern im Sandkasten,
wenn man mit Wasser Sandburgen auflöst und abschwemmt. Welche bizarren Formen
Erosion auch hervorrufen kann seht ihr an dem Foto aus dem "Valle de la luna"
in der Nähe von La Paz in Bolivien - in den Anden. Dort sind bis zu 10 Meter
tiefe Canyons im Sand-Kies-Boden entstanden. Eigentlich kann man die Canyons schon gar nicht mehr sehen, weil nur noch die Erdspitzen übrig geblieben sind. Hier hat aber nicht nur das Wasser, sondern auch die Sonne (durch Temperaturschwankungen) und der Wind mitgewirkt. |
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Durch
Regen oder das Grundwasser werden bei der Verwitterung der Gesteine im Boden freiwerdende
Salze (z.B. Natriumchlorid, Calziumcarbonat) gelöst und über die Flüsse
ins Meer getragen. Hier reichern sich durch das Verdunsten des Wassers die Salze
an. Dieser Vorgang ist letztlich die Ursache für den Salzgehalt unserer Meere
und der großen, abflusslosen Binnenseen (wie der Tschad oder der Aral-See). |
| Auen - Lebensräume zwischen den Elementen | |
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Die Schwarzerle und fast alle Weidenarten sind typische Bewohner des Umlandes von Gewässerläufen, weil sie (wie wir ja gesehen haben) perfekt angepasst sind. Auen sind Lebensräume zwischen Wasser und Erde, sie sind feucht, werden periodisch überflutet oder sind vom schwankenden Grundwasser beeinflusst. Auenböden entstehen aus den Sedimenten, die meist während der Hochwasserperiode angeschwemmt werden und sich dann absetzen. Das heisst nicht, dass sie dort ewig liegen bleiben - schon das nächste Hochwasser kann wieder einen Teil des Materials mitnehmen. In gebirgigen Oberläufen unserer Flüsse, in denen eine plötzlich einsetzende Schneeschmelze oft riesige Mengen an Wasser und Geröll bewegt, besten die Auenböden meist aus gröberem, kiesigen Material mit wenig organischer Substanz. In den Unterläufen unserer Flüsse, bei denen ein Hochwasser oft bedeutet, dass das Wasser tage- oder wochenlang langsamfließend die Wiesen und Wälder überschwemmt, lagert sich dagegen eher sehr feines anorganisches und organisches Material ab. Diese Substanzen sind sehr nährstoffreich und bieten Pflanzen beste Vorraussetzungen für üppige Vegetation. Mehr zu den Tieren und Pflanzen in Auen hier. |
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| Es gibt keinen natürlichen Fluss, der schnurgerade verläuft- auf diese einfache Formel kann man es bringen. Somit fliesst jeder Bach in Schlangenlinien. Denn neben der Fliessbewegung, die ja schon für Chaos sorgt, wirkt auf jedes einzelne Wasserteilchen noch die sogenannten Corrioliskraft (Ablenkung der Teilchen durch die Erdrotation) und natürlich die Unebenheiten durch weitere Erosion der Flusssohle und des Ufers. | |
| Der Fluss beginnt an mehreren Stellen, Schlingen (Mäander; siehe Animation) auszubilden, die sich selbst verstärken, da an ihrer Außenseite das Wasser schneller fließt und weitere Erosion verursacht. An der Innenseite des `Knies´ hingegen setzen sich durch langsamere Strömung Sedimente ab. Die Erosion an den Außenseiten führt dazu, dass hier das Ufer regelrecht "weggefressen" wird. Es bricht schneller ab als sich hier eine flache Böschung ausbilden könnte. So entsteht ein sogenannten Prallhang, eine aufragende Bodenwand, die mehrere Meter hoch werden kann. Solche Uferabbrüche, auch "Steilwände" genannt, bieten dem seltenen Eisvogel, der Uferschwalbe oder der Grabwespe hervorragende Brutplätze, die sie als Röhre in den lockeren Sand eingraben. |
Unteres Foto: Eine typische Abbruchkante eines Prallhangs - Teile der Wand sind in den Bach gefallen. |
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| An den Innenseiten der Kurven entsteht der Gleithang, der je nach Standort tonig bis kiesig sein kann. Ist er nicht bewachsen, kann beispielsweise der bedrohte Flussregenpfeifer hier brüten, das langsamfließende Wasser um den Gleithang ist die Kinderstube vieler Fischarten. | |
| Der oben beschriebene Vorgang der Mäanderbildung läuft übrigens so lange ab, bis z.B. zwei "Rechtskurven" so zusammenstoßen, dass das Wasser nun geradeaus fließt und die dazwischen liegende "Linkskurve" sozusagen überspringt. | |
Ist
der Altarm völlig vom Fluss abgeschnitten, heisst er Totarm. Totarme
bekommen nur noch indirekt über das Grundwasser oder bei Hochwassern im Frühjahr
frisches Wasser und trocknen auch mal aus. | |
Ein natürlicher Flusslauf verändert sich also ständig. Daher gibt es allenfalls für einen bestimmten Moment mit einem bestimmten Wasserstand ein bestimmtes Bett. |
| Ändert
sich aber irgendetwas (z.B. der Wasserpegel beim Frühjahrshochwasser), so
nimmt der Flusslauf eine ganz andere Form an. Aus der Vogelperspektive sieht daher
ein natürliches Flusssystem mit Haupt- und Nebenströmen aus wie ein
die Landschaft überziehendes Aderngeflecht. Die Ausbreitungsflächen
bei Überschwemmungen nennt man Retentionsflächen. Sie sind zentraler
Faktor beim ökologischen Hochwasserschutz. |
Das
Wasser natürlicher Fliessgewässer hat oft einen hohen Sauerstoffgehalt.
Dafür gibt es zwei Ursachen: Zum einen spielt die Wasserbewegung einen Rolle.
In einem natürlichen Flusssystem wird das Wasser (mit Ausnahme des Altwassers)
ständig hin- und hergewälzt. Es kann sich kaum eine stabile Schichtung
des Wassers ergeben, wie etwa in einem See und sehr viel Wasser gelangt immer
mal wieder an die Oberfläche, wo es den Sauerstoff der Luft aufnehmen kann.
Zum anderen spielt der Uferbewuchs eine große Rolle. Bäume und Sträucher
am Ufer sorgen für Schatten auf dem Wasser. Dies wiederum heißt, dass
das Wasser, das in Mitteleuropa mit ca. 9ºC (als Jahresmitteltemperatur)
aus den Quellen fließt, sich nur wenig erwärmen kann. Kaltes Wasser
kann wesentlich mehr Sauerstoff binden als warmes. (Ein ähnliches Phänomen
kennt jeder mit der Kohlensäure in Wasserflaschen. Erhitzt sich das Wasser
zischt alles CO2 weg, es funktioniert mit Sauerstoff so ähnlich.) Sauerstoffreiches
Wasser wiederum kann einer Vielzahl von Organismen eine Lebensgrundlage bieten.
Viele Arten, wie etwa die seltene Flussperlmuschel oder Forellen, sind auf kaltes
und sauerstoffreiches Wasser angewiesen.
Leider versagt bei vielen Stillgewässern und bei manchen Bächen und Flüssen die Selbstreinigungskraft, dann "kippt" das Gewässer, wie man sagt. Dieser Prozess wird auch als Eutrophierung oder Überdüngung bezeichnet, die fast ausschließlich im Sommer/Spätsommer passiert. Wenn (z.B. durch Landwirtschaf) viele Nährstoffe im Wasser sind, gleichzeitig die Sonne stark scheint und die Wassertemperatur hoch ist, setzt starkes Algen- und Pflanzenwachstum ein. Was zunächst optimal ist, denn Pflanzen produzieren Sauerstoff, kehrt sich bald ins Gegenteil. Die Algen wachsen und überwuchern sich selber. Nur die erste Schicht Algen und Pflanzen kann noch Sauerstoff produzieren, der Rest wird abgedunkelt und stirbt aufgrund fehlender Sonne ab. Bei Verrottungsprozessen in der unteren Schicht und im Schlamm wird jetzt mehr Sauerstoff verbraucht, als die oberste Schicht Algen noch produzieren kann. Nun wird es eng, denn grade im Sommer ist auch das Volumen des Wassers klein und es kommt weniger Frischwasser an. Als erstes sterben Tiere, die viel Sauerstoff brauchen. Fische oder andere Kiementiere beispielsweise. Dies geht so lange, bis entweder mehr Frischwasser und/oder kälteres Wasser kommt. Eutrophierung hängt vor allem mit Überdüngung aber auch mit fehlender Beschattung und wenig Bewegung durch Stauung zusammen. Hier eine Grafik zu dem Zusammenhang (bitte mit der Maus drüber gehen): |
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Weitere
Informationen gibt es auch in der Broschüre "Lebendiger Fluss"
(siehe Download)
05.01.2004 15:05 updated by Bene