Der Ausbau von groß nach klein in der Endstufe:

Jeder Bach wird verbaut

Von den großen Projekten, die sich z.B. den Main und die Elbe vorgenommen hatten, lernte man bald. Das Erfolgsmodell "begradigen, verschnellern, ausbauen, eindeichen" wurde und wird immer weiter übertragen:

Brücken sind auch Verbauungen und ideale Staupunkte bei Verstopfungen - Ausgangspunkt für lokale Überschwemmungen. Foto entstand 2003.Foto: Verbauter Bach mit einer Brücke.

1945 lag Deutschland in Schutt und Asche, erst einige Jahre später erholte sich die Wirtschaft. Mit dem Wirtschaftsboom nahm die Zahl der Bauten und der Straßen massiv zu. Die Versiegelung durch Straßen, Gewerbe- und Wohngebiete (immer noch täglich über 100 Fußballfelder) und eine weitere Welle der landwirtschaflichen "Landordnung" (in den 70ern "Flurbereinigung" genannt) griffen nun auch in sogenannte "Fließgewässer 3. Grades" - sprich: dem Bach um die Ecke ein.
Bäche in der Nähe von Siedlungen wurden systematisch von Ingenieuren auf sogenannt "hochwassersicher" getrimmt, also begradigt, verschnellert oder auch überbaut.

Außerhalb der Stadt wurde die industrielle Landwirtschaft zum vorwiegenden Modell, Bäche wurden zu "Vorflutern", die nur noch das Wasser zu entsorgen hatten. Auch Böden, die eigentlich nicht für Ackerbau geeignet waren, konnten auch jenseits der Düngepraxis "optimiert" werden. Bis heute ist es gängige Praxis, Drainagen zu legen. Fast jeder Mais Acker wurde und wird heute noch mit einer künstlichen Drainage ausgestattet, die ihn entfeuchten soll. Auf der Kehrseite dieser Medaille steht, dass im Sommer wegen akuter Trockenheit per Sprengwagen nachgewässert werden muss. Ackerbau absurde: Maisäcker bestehen nur noch aus nacktem Boden, der während des Sommers trocken und rissig wird und im Herbst durch die Maschinen so verdichtet ist, dass kein Wasser eindringen kann.Zerissene Boden wie in der Wüste.
Maisacker im Sommer 1999. Rechts: Frisch gelegte Entwässerungsleitung.

Foto einer Drainage- tief in den Boden eingelegt, die Erde ist noch nicht wieder aufgefüllt. Das Rohr führt vom Feld in einen kleinen Bach.

An Flüsse und Bächen wurden und werden durch Dämme massiv Retentionsfläche eingedeicht und ging für einen passiven Hochwasser-Schutz verloren. Hochwasserschutz wurde technisiert, also gab es eine Behörde, die Pegel bestimmte und Abweichungen durch ein komplexes Netz von Stauungen regelte.

Rohrpost- Modell für einen Bach.

Mit dieser Technisierung stiegen die Möglichkeiten, flexibler als bisher auf Hochwasser zu reagieren. Im Bereich der kleineren und mittleren Hochwasser (die eigentlich jährlich auftauchen müssten) wurden Fortschritte gemacht. Aber alle größeren Hochwasser können von den meisten Anlagen nicht mehr geregelt werden - hier schlägt das Wasser dann besonders unerwartet zu. Denn die Anwohner haben sich an den technischen Schutz gewöhnt. Die Fähigkeit, dass komplizierte und aufgeblähte Regulierungssysteme in den Händen verschiedener Kompetenzträger (z.B. verschiedene Wasserämter in Kommunen) in vernünftiger Weise miteinander arbeiten, nimmt bei mehr potenziellen Schaltstellen eher ab als zu.


März 2004: Ein mittelgroßes Wehr bekommt eine neue Achse (blankes Metallteil horizontal oben), der Austausch dauerte (ohne Anfahrt & Material) etwa 2,5 Mannstunden bei vier Fachkräften.

Finanzielle Faktoren:

Durch die Tatsachen, dass heute Bäche und Flüsse teilweise überreguliert sind, blähen sich Verwaltungen, Kompetenzen und Kosten auf.

Wehre, Deiche und technische Anlagen müssen in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden und es fallen Kosten für die Sanierung etwa alle 5-10 Jahre an.
Jedes unnötige Wehr schadet dem Steuerzahler a) bei der Einrichtung b) bei der Bedienung und Inspektion und c) bei notwendigen Reperaturen. Auch die Entfernung kostet natürlich - viel mehr als b) und c) zusammen aber dieses nur einmalig.

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19.03.2004 10:09 updated by Bene

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