Schon
im "Merkantilismus" bauten aufgeklärte Fürsten ihre Flüsse
mit Schleusen aus, legten künstliche Kanäle an. Obwohl horrende Kosten
anfielen, waren Kanäle Prestigeobjekte und belebten die staatlich gelenkte
Wirtschaft. Ein Beispiel:
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In Münster (NRW) wollte der Fürstbischof einen Durchstichkanal
zur Ems bauen, er hatte die Vision, dass man von Münster direkt per Boot
an die Norsee kommen sollte, ein auch von den Zeitgenossen kritisch als fürstliche
Selbstverliebtheit angesehener Plan. Der Zugang zum Meer bedeutete Reichtum und
auch kolonialen Einfluss, den viele deutsche Fürstentümer nicht hatten.
Denn ein Zugang zum Meer war bisher nur über den Rhein möglich, dessen
Mündung die Niederlande kontrollierten und sich auch pro Durchfahrt fürstlich
bezahlen ließen. Zwar wurde ein Teilstück fertig, da der Siebenjährige
Krieg aber alles Geld auffraß, blieb der Kanal eine Torso. Wie viele andere
Projekte verwaiste dieses Projekt. Zurück blieb ein kleines Teilstück
Kanal, das bald verrottete. Dom zu Münster |
Treidelpfade Viele
mehr (kleine) Flüsse wurden mit Lastkähnen befahren, als heute
allgemein angenommen wird. Da Wind meist kaum genug Kraft hatte, schwere Kähne
zu bewegen, musste man auf Tiere ausweichen. Die "Treidelpfade" oder
"Leinpfade" an den beiden Flussufern dienten dazu, mit Pferden die Kähne
stromaufwärts zu ziehen. Lasten wie Steine, Leinen und Korn wurden hauptsächlich
auf Schiffen transportiert. Die Zahl der Schleusen nahm zu, was eine Regulierung
des Wasserstandes ermöglichte und den Aufstieg der Schiffe in bisher unerreichte
Regionen. Heute sind übrigens viele dieser Treidelpfade zu Radwegen umfunktioniert
worden. Money
making
Möglicherweise kam es aber seit ca. 1750 auch regional
zum "Boom" kleiner Schleusen, weil bei jedem Schleusungsvorgang "Schleusengeld"
bezahlt werden musste. Toll Collect lässt grüßen. Jeder Ort
mit einer Schleuse hatte insofern auch eine Möglichkeit, Geld zu verdienen,
wenn er die Schleusenrechte verkaufte oder selber wahrnahm. Oft standen sich allerdings
die Fürstentümer bei diesen Ausbauprojekten selber im Wege - schließlich
war Deutschland völlig in Kleinstaaten aufgeteilt, ein Anreiz z.B. an jeder
Schleuse Geld zu bezahlen hinderte den Schiffsausbau. Die Schleusen waren auch
oft schlecht gebaut und hielten wenige Jahrzehnte, genauso lange, wie die oft
privaten Schleusenlizenznehmer ihren Pachtvertrag laufen hatten. Danach versiegte
mit dem Schleuserelan auch der Geldstrom der Investoren - bis wieder einmal jemand
neues ein Steuerschröpfinstrument brauchte. Verbesserte
Ausbautechniken: Faschinenbau
Allerdings
machte der Deichbau Fortschritte, der Deichbaumeister (und Pastor) Johann Esaias Silberschlag
erkannte für sich, dass man nicht immer mit festen Bauwerken gegen Wasser
kämpfen konnte, sondern lieber flexible Technicken entwickeln sollte. Seine
Beobachtungen mündeten in die Einführung der sog. Faschinen, das waren
"Wälle" aus quadratisch miteinander verbundenen Weidenrutenbündeln.
An ein solchen Geviert band man das nächste bis eine Art grüner Deich
entstand. Damit sie dem Wasserdruck standhielten, schüttete man Kies und
Sand in die Quader und pflockte sie in den Auenboden. Neben den geringen Kosten
hatte man allerdings auch den Vorteil, dass die Weiden in den Boden und ineinander
wuchsen und das ganze Gebilde stabilisierte. Hatte man eine solche Faschine gefüllt,
wurde oben die nächste angebunden und aufgestockt.

Hier
eine mit Weiden befestigte Uferwand - in etwa diese Technik nutzten Faschinen
auch - nur etwas ordentlicher und mit Kiesfüllung. | Langsam
sackte das ganze Gebilde nach unten in den Flussgrund und wurde bei Hochwasser
immer stärker eingespült. Diese Faschinen waren natürlich nicht
besonders wasserdicht und hielten wenige Jahrzehnte. Sie sollten den Fluss nur
an bestimmten Stellen umlenken, damit z.B. Pflanzungen nicht überspült
wurden. |
Diese Technik kam aus Frankreich. In Frankreich, damals bereits zentralisiert, wurden auch Kanalprojekte in größerem, ja nationalen Maß gestartet. Kleinliche Abzockerei und bürokratisches Chaos waren hier schnell beiseite geräumt.
Neben den Schlössern sind die Kanäle in Mittelfrankreich bekanntestes Erbe des aufgeklärten Absolutismus des französischen Königs und der Ära Richelieus.
Diese "grünen" Dämme werden in Teilen heute wiederentdeckt, weil sie natürlich und - sofern richtig angewandt- sehr stabil den Flusslauf gegen Määndrierung schützen. Heute bepflanzt man kleinere Flüsse und Bäche gerne mit einer Mischung aus Erlen und Weiden, um den Uferabbruch zu verhindern.
| Adalbert Stifter veröffentlichte 1857 den Roman "Nachsommer" in der eine kurze Szene zeigt, dass man an kleinen Gewässern aus Erlenholz hergestellte Befestigungen anwendete:
"(...) Zu dem Entschlusse, diesen Anwuchs zu pflegen, kam ich, nachdem ich einerseits vorher nach und nach die Gegend um unser Haus immer näher kennen gelernt, alle Talmulden und Bachrinnen erforscht und nirgends auch nur annähernd so brauchbares Erlenholz gefunden hatte, und nachdem anderseits auch das, was mir auf mein Verlangen aus mehrern Orten eingesendet worden war, sich dem unseren als nicht gleichkommend gezeigt hatte. Ich ließ oberhalb des Erlenwuchses einen Wasserbau aufführen, um die Pflanzung vor Überschwemmung und Überkiesung zu sichern und das zu sehr anschwellende Wasser in ein anderes Rinnsal zu leiten. Meine Nachbarn sahen das Zweckdienliche der Sache ein, und zwei derselben legten sogar in öden Gründen, die nicht zu entwässern waren, solche Erlenpflanzungen an. Mit welchem Erfolge dies geschah, läßt sich noch nicht ermitteln, da die Pflanzen noch zu jung sind." |
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