Staudamm- Projekte: Das Lieblingsprojekt von Populisten, Diktatoren und Baulobby...


Stauseen oder Staudämme sind künstliche Aufstauungen, die große Flächen des Flussgebietes in Anspruch nehmen. Ende des 19. Jahrhunderts wurden erstmals große Stauseen gebaut. Somit konnte man zunächst drei Vorteile genießen: Trinkwasser gewinnen, Hochwasserwellen zwischenstauen und später auch Wasserkraftwerke arbeiten lassen. Grade die Suche nach Energiequellen brachte einen Boom großer Stauseen - auch in Form eines Pumpspeicherstausees.

Stausee mit Überwachungsstation. Aber: Durch den Aufstau verändert sich das Sedimentationverhalten, die Temperatur und die Wasserqualität sehr massiv. Auch das ökologische Gleichgewicht verändert sich. Außerdem ist sowohl der Fluss zerschnitten, als auch seine Aue zerstört bzw. die angrenzenden Flächen mit Wasser überflutet.
Staudamm in der Nähe von Gießen/Hessen.
  • oft versanden Stauseen, weil in ihnen kaum noch Wasser fließt, dadurch wird ihr Wasser wärmer und im Endeffekt für die Trinkwassergewinnung problematisch
  • Beim Dreischluchten-Staudamm in China wurden Millionen Menschen umgesiedelt, diese Umsiedelungen sind immer notwendig.
  • In der Form des Pumpspeicherkraftwerks werden sie auch zur Zwischenspeicherung von Energie genutzt. Nachts - wenn die Energienachfrage die Produktion der schlecht regelbaren Braunkohle- und Atomkraftwerke übersteigt, arbeitet eine Pumpe und pumpt Wasser hoch, was dann bei Spitzenzeiten wieder abgelassen wird.
  • Stauseen sind potenziell gefährliche Bauten - sie haben zwar einen Notablass und noch ein "Überlaufventil", aber können auch mißbedient und sogar gesprengt werden ( britische Bomber bombardierten mit Erfolg einen Stausee im Sauerland während des 2. Weltkrieg)
  • Stauseen sind übrigens nach den Kanälen das technische Exportgut für sog. "unterentwickelte Länder". Ob der Assuan-Staudamm aus den 60er Jahren in Ägypten, in Brasilien in den Achtzigern oder der 2003 geflutete Staudamm in China - sie sind das Lieblingsprojekt autokratischer Herrscher geworden und das Sinnbild für fehlgeleitete Entwicklungshilfe seitens der Weltbank oder der Industrieländer. Denn meist müssen dem Damm einige Dörfer weichen. Das kann man natürlich am besten, wenn man keine Betroffenen beteiligen muss.
  • Sowohl der Assuan-Staudamm wie auch der Diama-Staudamm (der im Senegal den Fluss Sengegal zur Elektrizitätsgewinnung staut) ließen das vormalige ökologische Portfolio an Wasserpflanzen zugunsten einer Massenvermehrung einiger weniger hinter sich.
  • Heute versucht sich die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit GTZ lieber an kleineren Projekten - wie dem Brunnebau. Aber auch hier schwingt noch etwas nach, was immer schon eine enge Bindung einging: Kolonisation, neuerdings Entwicklungshilfe und Wasserbau. Erst kamen französische Ingenieure nach Deutschland, um mit ihrer Technik Kanalbau und Flussbegradigung anzuleiten, später bauten die Franzosen den Panama-kanal, den die Amerikaner fertig stellten....to be continued?
  • Leider wird auch in diesem Jahrhundert in China ein massives Drei-Schluchten-Staudamm-Projekt durchgedrückt, Umweltschützer eingeschüchtert und Presseberichte unterdrückt. Im Herbst 2007 - das Becken war noch nicht einmal voll eingestaut - musste die China-Führung erstmals öffentlich zugeben, dass u.a. durch katastrophale Wasserwerte und Flutwellen und "falsch berechnete" Versandungsprobleme das Gesamtprojekt stark gefährdet wurde. Eine weitere Million Menschen mussten "nachumgesiedelt" werden, da Flutwellen die neu angelegten Dörfer bedrohen.
  • Und an einem halben Dutzend Stellen in der Türkei das Tigris-Staudamm-Projekt (Illisu-Projekt) angeführt. Die Stauzone beherbergt zahlreiche Fischer, eine der größten archäologischen Stätten mit jahrtausendalten Bauten. Die Finanzierung läuft übrigens über deutsche Hermes-Bürgschaften (sozusagen ein Kredit auf Kosten deutscher Steuerzahler), ausführende Firmen kommen aus Deutschland (ZÜBLIN AG) Österreich (Andritz AG/VA Tech Hydro), und der Schweiz. Somit zeigt sich auch im Jahr 2006: Menschenverachtende Zwangsumsiedlungen, kulturelle Nivellierung und ökologische Zerstörung wird unter dem Label "Entwicklungspolitik" verkauft. Trotz Protesten hat Angela Merkel nicht den Schneid gehabt, die Firmen Züblin AG und Co in ihre Schranken zu weisen. Es wird Zeit für einen Boykott durch private und öffentliche Auftraggeber gegen ZÜBLIN und die anderen Unternehmen. Mehr Infos hier.

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16.11.2007 18:20 updated by Bene

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