Leben im und am Fluss!


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Fische in unseren Gewässern

 

Der Salm
Bachsaibling.

Ein Rheinsalm schwamm den Rhein
bis in die Schweiz hinein.

Und sprang den Oberlauf
von Fall zu Fall hinauf.

Er war schon weißgottwo,
doch eines Tages - oh! -

da kam er an ein Wehr:
Doch hier zerbrach sein Mut.

Drei Wochen stand der Salm
am Fuß der Wasser-Alm.

Und kehrte schließlich stumm
nach Deutsch- und Holland um.

(Christian Morgenstern: Palmström; mehr Gedichte im Downloadbereich)

 

Aus Sicht der Fische kommt es in Gewässern darauf an, dass viel Nahrung vorhanden ist, ausreichend Sauerstoff zum Atmen, es im Winter nicht oder nicht vollständig zufriert, Laichmöglichkeiten und Verstecke vorhanden und das Gewässer insgesamt abwechslungsreich ist. Einige Fische können diese unterschiedlichen Ansprüche nicht überall finden. Sie wandern, um z.B. am Oberlauf aufzuwachsen und dann ins Meer abzuwandern, um dort nach einigen Jahren wieder den Aufstieg zu wagen. Zu solchen Wanderfischen gehört der Aal und der Lachs, aber auch das Neunauge. Während der Lachs seine Jugend im Oberlauf der Quellregion verbringt und ins Meer abwandert bzw. nur zum Laichen wieder aufsteigt, läuft es beim Aal genau umgekehrt. Der Aal wird im Meer geboren, wandert als sog. "Glasaal" die Flüsse hinauf und verbringt sein Leben in Binnengewässern, bevor er zum Laichen wieder ins Meer abwandert.
Auch die Fische, die keine Wanderfische im eigentlichen Sinn sind, brauchen unterschiedliche Gewässer. Der Hecht laicht z.B. gerne auf überschwemmten Wiesen, ist sonst aber eher im Tiefwasser zu finden. Ein natürlicher Fluss bietet unterschiedliche Strömungsmuster, Nahrungs-, Licht- und Temperatursituationen, die Fische aufsuchen könnten ...wenn da nicht der Mensch mit seinen Sperren, Begradigungen, Dämmen wäre. Mehr zum Problem der Sperren/Wehre und der Wanderfische hier.

Klassischerweise teilt man Fließgewässer von der Quelle bis zur Mündung in Regionen ein, die von einer Leitfischart bestimmt sind. Daher heissen die Regionen: Forellenregion, Äschenregion, Barbenregion, Brassenregion, Kaulbarsch-/Flunderregion, letztere ist bereits mit Brackwasser gefüllt.

Wo lebt welcher Fisch?

Grafik zeigt die Leit-Fischarten von der Quelle zur Mündung: 1. Forellenregion, 2. Äschenregion, 3. Barbenregion, 4. Brassenregion, 5. Flunder- bzw. Kaulbarschregion (Mündung).
(eine ausführlichere Grafik zu den Fließgewässerregionen hier -externer Link).

Die Bachforelle ist ohne Zweifel nicht nur der beliebteste Fisch, sondern Namensgeber für die erste quell-nahe Region - die Forellenregion. Mit der Äsche, dem Lachs und den Neunaugenarten nutzen sie kiesige Stellen zum Ablaichen. Leider ist diese Fischart trotz massiven Einsetzens selten. Immerhin: Dieses Bild entstand in der Nähe des Ruhrgebiets. Groppe - Kleinfisch
Rote Liste Status: "gefährdet"
Aus der Familie der Salmoniden hier ein Bachsaibling. Genauso wie die Verwandten Bachforelle ist diese Art auf sauberes, kaltes und schnelles Wasser angewiesen.(Stichwort: Selbstreinigungskraft). Sie fangen Kleinfische und Insekten und ein Teil von ihnen wandert. Beobachten kann man sie in Kolken, das sind Vertiefungen z.B. hinter großen Steinen.
Rote Liste Status: Bachsaibling & Regebogenforelle: (kein Status da eingebürgert);
Die Groppe ist ebenfalls ein Fisch kiesig-sandiger Bergregionen. Sie ist auf sauberes Wasser angewiesen. Allzu große Beschattung kann sie nicht vertragen. Die Groppe wurde früher von Fischereibetrieben als Eierräuber verfolgt. Mehr zur Groppe hier.Groppe - Kleinfisch
Rote Liste Status: "gefährdet"
Die Schmerle lebt in sauberen sandigen Flüssen ohne viel Gefälle. Man kann sie gut mit einem Salatsieb fangen, wenn man in unterspülten Wurzelhöhlen oder in Laubhaufen herumwühlt, denn dort versteckt sie sich. Sie ist aber schlecht festzuhalten, weil sie sehr glatte Haut hat. Um im Schlamm zurecht zu finden haben Schmerlen Barteln (im Foto links vor dem Maul erkennbar.) Schmerle - ein Kleinfisch.
Rote Liste Status: "nicht gefährdet"

Bitterlinge (5-15 cm lang) leben in stehenden oder langsam fließenden Gewässern und zwar nur dort, wo auch die Teich- oder die Malermuschel lebt. Bitterlinge leben nämliche mit Muscheln in Symbiose - die Weibchen legen mittels einer Legeröhre ihre Eier in Muscheln ab, umgekehrt leben die Muschellarven in Kieferkiemen von Fischen. Bitterlinge waren recht selten, es gab sogar Nachzucht-Programme.

Bitterling-  ein Kleinfisch.
Rote Liste Status: "vom Aussterben bedroht"

Hechte (Größe: bis gut über 1 Meter) leben in allen Regionen von Fließgewässern (außer der Bergregion). Sie sind häufige und weit verbreitete Raubfische, nach dem Wels die größten in Deutschland. Interessant ist, das gleich alte Exemplare je nach Nahrungsangebot sehr unterschiedlich schnell wachsen.
Die Lauerjäger fressen Insekten, Amphibien, Fische, sogar kleinere Wasservogelküken und hin und wieder kleinere Artgenossen. Damit sorgen sie selber dafür, dass es nicht zu viele Räuber im Revier gibt. Ihren Laich legen Hechte im Frühjahr in überschwemmte Wiesen - er klebt stark und wird z.B. von Enten "exportiert", so dass sogar in Gartenteiche Hechte existieren. Er ist allerdings auf viel Bewuchs angewiesen und länger überschwemmte Wiesen.

Hecht im Unterholz.
Rote Liste Status: "gefährdet"

Moderlieschen sind kleine Fische (etwa 8-12 cm) und kommen in klaren Stillgewässern und langsamen Flüssen vor. Man findet sie recht häufig in sauberen Teichen- sie bilden ein ideales Futter für Raubfische.Moderlieschen - ein Kleinfisch.
Rote Liste Status: "gefährdet"
Rotfedern gehören zu der Gruppe der Weißfische und sind absolute "Allerweltsfische": Tolerant gegenüber Umweltverschmutzungen Eutrophierung und Giften kommen sie nur in Gewässern nicht vor, die schnell fließen (Forellenregion). Rotfedern - ein Kleinfisch.
Rote Liste Status: "nicht gefährdet"
Karpfen (hier ein Spiegelkarpfen) sind seit Jahrhunderten gezüchtete und aus Asien eingeführte Kulturfische. Sie sind wie Rotfedern typische Massenfische in allen Gewässern mit "Entenfütterung" und können sich rasend schnell vermehren, da sie Millionen Laicheier legen.
Mit ihren Barteln können sie den Schlamm nach Nahrung sondieren. Daher sind Karpfen auch typische Fische in schlammigen, nährstoffreichen Gewässern.
Rote Liste Status: (kein Status da eingebürgert)
Karpfen - ein Kleinfisch.
Störfisch , selten und augestorben.
Rote Liste Status: "ausgestorben"
Good bye Stör!

Jetzt zu den schlechten Nachrichten:
Störfische (hier ein Störlet) sind eine in Deutschland so gut wie ausgestorbene Fischgruppe. Der (angeblich) "letzte Stör" wurden in NRW so um 1900 gesichtet und hängt jetzt als "Trauer-Vorlage" im Naturkundemuseum Münster. Offiziell starb die Population des Störs am Rhein in den 1930er Jahren aus. Einzelfänge aus den 70er Jahren waren wohl eine Ausnahme, schließlich können Störe locker 40- 70 Jahre alt werden. Störe leben in tiefen sauberen Still- oder Fließgewässern. Allein an der Donau und in Südosteuropa gibt es ihn noch.Obwohl zu der Gruppe der evolutionär "uralten" Knochenfische gehörig, wird es ihn in Deutschland wohl nicht mehr geben. Ausnahmen sind die kommerziellen Nachzuchten in Becken, wo den Fischen unter Narkose ihr Rogen (Kaviar) herausoperiert wird. Wo er noch wild vorkommt, wird er wegen des Kaviars und des Fleischs gejagt und durch (petro-) chemische Vergiftung bedroht, so stehen momentan die letzten Arten z.B. im Kaspischen Meer vor der Ausrottung. Besonders problematisch ist, dass Störe erst mit mehreren Jahren (etwa 7 beim Stör) geschlechtsreif sind. Mittlerweile ist der Bestand an erwachsenen Fischen bei einigen Arten im Kaspischen Meer so niedrig, dass es schon fast Zufall wäre, wenn sie sich noch zum Fortpflanzen träfen, meinen zumindest Wissenschaftler. Sie haben einen zu kleinen Genpool (näheres dazu hier).
 
Die Schleie ist ein ausgeprägter Bodenfisch. Vom Karpfen unterscheidet sich dieser Karpfenfisch durch die goldenen und winzigen Schuppen und ihre längliche Form. Sie lebt in den gleichen Regionen wie der Karpfen, braucht aber eine dichte Unterwasser- Vegetation.Schleie.
Rote Liste Status: "Vorwarn-Liste"

Wer liegt hier so scheu im Kraut? Es ist der Zander. Sie leben ähnlich wie Hechte- als räuberische Einzelgänger und in kühleren Still- und Fließgewässern. Sie werden allerdings nicht so groß wie Hechte. Zander ernähren sich von Kleinfischen und Wasserinsekten, das Männchen betreibt am nestförmigen Laichplatz Brutpflege.

Zander.
Rote Liste Status: "nicht gefährdet"
  

Flussbarsche sind wie die Zander ebenfalls Raubfische - aber leben im Schwarm. Leicht identifizierbar sind sie durch ihre schwarzen Streifen,- die roten Bauchflossen und den stachligen Rückenkamm haben auch andere Fisch. Sie sind sowohl in Flüssen und in Stillgewässern zu finden, wo sie vornehmlich kleine Fische und Insekten fressen. Barsche sind (mit Hecht und Aal) die häufigsten Raubfische - nur wenn es zu dreckig wird, sieht man sie bauchoben. Da nützt dann auch die stylishe Rückenflosse nix.

 

Rotfeder.
Rote Liste Status: "nicht gefährdet"

Hier noch ein Barsch - der Sonnenbarsch, benannt nach dem sonnenförmigen Fleck hinter der Kieme. Er ist ein Beispiel für sogenannten "Neozoen", d.h. neu eingeschleppte Tier- und Pflanzenarten. Der Sonnenbarsch kommt aus Nordamerika und wurde hier ausgesetzt. Ähnliches geschah mit der Bisamratte, dem Nutria, der Wollhandkrabbe, dem Indischen Springkraut, dem Ochsenfrosch oder dem japanischen Knöterich. Sonnebarsch.
Da eingebürgert- kein Rote Liste Status, sorry
Der bekannteste Kleinfisch ist der Stichling. Er ist sehr verbreitet und stellt kaum Ansprüche. Übrigens gibt es den Dreistachligen Stichling und den Neunstachligen Stichling, letzterer ist ebenfalls aus Amerika eingebürgert worden. Im Bild ein rotblau gefärbtes Männchen im Brutkleid, er baut ähnlich wie der Zander ein Nest für die jungen StichlingeStichling.
Rote Liste Status: "nicht gefährdet"

Apropos bauchoben - hier könnt ihr euch an einem Brassen und einigen Weißfischen anschauen, was passiert, wenn Chemiereste von Privat im Bach entsorgt wurden.
Fischsterben.

Rote Liste- Status: Die Rote Liste bezieht sich auf NRW (Stand 2001), ist aber im Groben übertragbar auf andere Länder.

  • nicht gefährdet heisst "Glück gehabt", es gibt die Art noch ausreichend häufig.
  • Vorwarn-Liste bedeutet, dass die Art zwar noch nicht akut gefährdet ist, aber der Bestand sinkt oder instabil oder in einigen Teilen gefährdet ist. Sie kann dann in ein "Monitoring-Programm" aufgenommen - also wird der Bestand beobachtet.
  • Gefährdet bedeutet, dass die Art bereits selten geworden ist, sie aber noch vorkommt.
  • Bedroht bedeutet, dass die Art substanziell gefährdet bzw. teilweise ausgestorben ist.
  • Stark bedroht bedeutet, dass die Art nur noch an wenigen Orten überhaupt existiert und/oder massiv zurückgeht und ohne gezieltes Hilfsprogramm absehbar aussterben wird.
  • Ausgestorben bedeutet, dass es die Art nicht mehr gibt bzw. sie sich nicht mehr fortpflanzen kann.
 

Schon gewusst:
Dass sich beim Aal erst ab einer Länge von 15 cm entscheidet, ob er männlich oder weiblich wird?


Ist beim Menschen schon eher erkennbar. ;-)

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Kleinfische im Fluss - ein Beispiel guter Anpassung

Groppe.Groppen versteckt zwischen Kieseln.
Groppe.

Die Groppe (auch Koppe genannt) ist ein sehr sauerstoffliebender Fisch. Während einer Bestimmungstour der NAJU mit dem Kombi-Leitfaden (hier downloadbar) kamen diese Exemplare ins Fangnetz. Beim ersten Foto sieht man ein mehrjähriges Alttier (2000 gefangen) die kleineren Jungtiere (unten und rechts) sind im Juli 2003 gefangen worden. Da das Gewässer 2001 von einem geplatzen Güllebehälter (trotz Feuerwehreinsatz) verseucht wurde, kann es gut sein, dass diese Jungfische die einzigen Überlebenden waren, denn grössere Fische brauchen mehr Sauerstoff. Im Bild rechts ist gut die Anpassung an kiesig-sandige Gewässersubstrate erkennbar - perfekt getarnt. Durch die Stellung der Vorderflossen (siehe oben links) kann die Groppe sich auch bei starker Strömung an den Boden drücken. Sie schwimmt meist nur stückweise, liegt lieber am Boden und wartet auf Beute - sie hat im übrigen auch keine Schwimmblase. Also: Es gibt auch Fisch ohne Schwimmblase.

Video "Groppe" download (Das Video zeigt eine erwachsene Groppe in ihrem typischen Lebensraum, MPEG-Format, 10 Sekunden, ca. 816 KB)

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Wanderfischarten, Dämme und Fischtreppen- "Spring doch!" oder was?

Seit etwa zehn Jahren gibt es ihn wieder in Teilen Deutschlands - den Lachs. Alle Politiker freuen sich, jubeln über jeden Lachs, gilt er doch als Garant für einen sauberen Fluss. Hinter dem mittlerweile fast 20jährigen Lachsprogramm z.B. der Rheinkomission steckt ein groß angelegtes und sehr teures Nachzuchtprogramm und die Erfolge sind immer nur Reparaturen. Man darf sich nicht darüber hinweg täuschen lassen, dass viele andere Fischarten weiterhin den Weg durch alle möglichen Bauten im Wasser abgeschnitten bekommen. Während der Lachs noch einer der agilsten ist - er kann Unterbrechungen von bis zu einem halben Meter ohne Problem überspringen- , bekommen andere Fische die "Blutgrätsche" von Wasserkraftwerken oder anderen Bauten voll mit. Selbst die besten Fischtreppen lösen das Problem nicht perfekt, denn jeder Typ lässt bestimmte Arten durch, andere müssen stecken bleiben. Der Aal möchte z.B. gerne unten durch, der Lachs wie alle Salmoniden gerne oben. Hat der Fisch ein Hindernis geschafft, kommt das nächste zehn Kilometer weiter.
Ein regelrechter "Marathon" ist für den Aal die Reise zur Saragassosee bis Basel und zurück -könnte man meinen. Eine bessere Bezeichnung für diesen Sport wäre "Zehn kleine Fisch´lein", denn die Durchlassquoten verringern sich mit jedem Stauwerk zu einer hohen Summe von Individuen oder ganzen Arten, die eben das Laichgebiet (meist im oberen Flussabschnitt) nie erreichen.

   
 In unserer Animation können 45% von 100% der aufsteigenden Fische die erste Barriere und von denen, die es geschafft haben 90% die zweite nicht passieren. Es bleiben unterm Strich nur 5,5 % laichfähige Exemplare von den aus dem Meer aufsteigenden Gesamtmengen. Übrigens: wenn sie es geschafft haben - nicht zu vergessen - kommt noch der Rückweg durch diverse Häckselturbinen. Viel Spaß! Eine besser Methode als die besten Fischtreppen wäre, die meist unsinnigen Hindernisse zu schleifen oder zu sprengen, womit schon in einigen Region begonnen wurde. 
 Unten eine Staustufe bei Dieblich an der Mosel. Neben den Stauwehren auf der rechten Seite ist die Schiffschleuse. Links unter dem Pfeil sieht man eine konventionelle Fischtreppe
Fischtreppe neben Staustufe an der Mosel.

 

 
 Fischtreppe neben Staustufe an der Mosel. etwa 10 Meter langes geknicktes Kanalsystem.Detail. 
 Auf der Vergrößerung kann man die Fischtreppe besser erkennen. Diese Art der Fischtreppe gilt heute nicht unbedingt mehr als angebracht, weil sie nur für wenige Fischarten (Salmonide) überhaupt effektiv ist. Sie ist zu steil und außerdem grade und aus Beton. Neue Konzepte sehen von einer Integrierung der Treppe in die Staustufe ab und favorisieren lieber einen vor der Stufe abgehenden alternativen Weg. In keinem Fall kann eine Fischtreppe aber wirklich als "funktional" beschrieben werden, da diese immer Arten ausschließt 

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Genetische Isolierung von Populationen durch Barrieren

Auch für nichtwandernde Tierarten bilden Stauwehre eine nur einseitig durchlässige Grenze, die genetisch den Effekt hat, dass sich der Genpool verkleinert. Denn durch Abdriftung können z.B. nach einer Katastrophe unterhalb eines Wehres wieder neue Tiere/Pflanzen angeschwemmt werden. Ein Wehr ist aber für viele Arten nur einseitig durchlässig, wenn sie nämlich durch das Wehr schwimmen. Umgekehrt funktioniert eine Verbreitung nur, wenn eine Art fliegen oder laufen kann. Gelbrandkäfer oder Eintagsfliegen können als erwachsene Insekten diese Barrieren überwinden. Einige Fische haben so klebrigen Laich, dass dies z.B. durch Wasservögel oder Schiffe als "Taxi" auch passiert. Wer nicht fliegt, springt oder läuft und keine sonstigen "Tricks" hat, muss unten bleiben.
Genetische Isolation kann vor allem bei vereinzelten Gebieten mit kleinen Populationen die Stabilität der Population weiter belasten. Was heisst das? Der Genpool wäre die Gesamtmenge an unterschiedlichstem DNA-Material einer Art. Verkleinert sich dieser, verringert sich die Menge der Möglichkeiten sich ohne "Inzucht" fortzupflanzen. Vergleichbar dem Züchter, der seine Hühner nicht in Mini-Gruppen isolieren möchte, um Inzucht zu vermeiden, wäre es optimal, wenn die Art noch Kontakt zu allen Gruppen haben würde. Für diesen komplizierten Prozess haben wir ein Beispiel - die Bachforelle

 

 
Grafik zeigt, wie eine vorher zusammenhängende Population durch Stauwehre genetisch isoliert werden - sie können sich nicht mehr gemeinsam fortpflanzen.

In unserer Grafik haben wir vier Populationen der Bachforelle in einem intakten Gewässer, die untereinander im Genaustausch stehen (grüne Linien). Sie können sich also gegenseitig paaren, der Genpool ist maximal groß.

Im Rolloverbild (bitte mit Maus darüber gehen) spalten drei Barrieren die Gesamtpopulation in vier einzelne Populationen (genannt F1-4) auf.

Während die Population F1 und F4 noch durch Abdriftung aus den in ihnen mündenden Flüssen Exemplare von F3 und F2 bekommen, also nur teilisoliert sind, werden nach F3 und F2 keine Exemplare mehr hochwandern können. Spielen wir nun mal den Fall durch, dass F3 als Population durch einen Ölunfall am Fluss komplett ausgelöscht worden wäre. Selbst wenn das Gift auch den gemeinsamen Unterlauf (und damit F4) tötet, wäre eine Wiederbesiedlung aus den anderen Populationen schnell möglich. Durch eine Barriere würde F3 nicht und F4 langsamer ersetzt werden können. Damit bliebe der Fluss von F3 "ewig forellenfrei".

Was es bedeutet, wenn eine Population ausstirbt, ist am Lachs zu sehen. Beispielsweise die spezielle Form des Lachses an der Ems ist ausgestorben. Die Wiederbesiedlung musste mit Lachsen aus Dänemarkd oder Irland erfolgen - das sind ganz andere Stämme und daher überleben viele Tiere nicht. "Den Emslachs" wird es nie mehr geben.

Die Forelle hat noch in der Regel Glück. Denn bekanntermaßen setzen Angler Forellen häufig systematisch wieder ein - somit bekommt der beliebte Fisch ungefragt Hilfe vom Menschen. Schön und gut. Damit aber die Bachforelle natürlich leben kann, muss der Fluss intakt sein. Fehlen Arten, um die sich keiner kümmert, wird dies früher oder später auch die Forelle z.B. am Nahrungsangebot merken. Denn welche Lobby haben schon Würmer/Schnecken/Bachflohkrebse? Daher: Weg mit den Barrieren.

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Stimmt das Gerücht: Auch Fische nehmen die "Pille" !?
Nicht schlecht: Es soll mittlerweile in einige Gewässern unnatürlich viele weibliche Fische geben, weil sie quasi per Hormonspritze zum anderen (weiblichen) Geschlecht umtransformiert werden. Als wir von der NAJU erstmals davon hörten haben wir es auch nicht geglaubt. Aber es stimmt, meinen zumindest einige Forscher: Fische werden wie alle höheren Lebewesen durch Hormone gesteuert. Die vom Menschen (z.B. via Antibabypille) ins Abwasser gegebenen weiblichen Hormone wirken auch auf diese Organismen und regen sie zur Ausbildung weiblicher Geschlechtsmerkmale an.Foto der Antibabypille.

Im Gegensatz zu anderen Stoffen zerstören Klärprozesse Hormone nicht oder nicht vollständig. Die Problematik von Hormonstoffen (oder ihnen sehr ähnlichen Stoffen künstlicher Herstellung) ist grade erst entdeckt worden. Es könnte gut sein, dass wir mit Hormonen und hormonähnlichen Stoffen in minimalen Mengen massiv in den Naturhaushalt eingreifen. Hormone könnten also eine ähnlich krasse Auswirkungen haben wie eine Chemiekatastrophe à la Sandoz in den 1980er Jahren, nur nicht auf einen Schlag, sondern leise und schleichend. Die Tiere sterben zwar nicht aber es wird massiv in ihren Hormonhaushalt eingegriffen, sie können sich nicht weiter fortpflanzen.

Auch auf den Menschen - Antibabypillenhormone im Trinkwasser werden von manchen Forschern mit der schwindenden Fruchtbarkeit bei Männern in Verbindung gebracht. Hier könnten die Fische nur die Vorboten einer schleichenden Verseuchung sein, die noch gar nicht richtig untersucht ist.

 

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16.08.2006 15:30 last updated by Tina