Verdriftet - Cast away!


Stark fließendes Gewässer.
Besonders Kleintiere werden bei Geschwindigkeiten von bis zu mehrere Meter gerne "verdriftet".

Verdriftung nennt man das Phänomen, dass Pflanzen oder deren Samen sowie Tiere vom Wasser in Fließrichtung abgedriftet und irgendwo wieder angelandet werden, wo die Strömung nachlässt. Verdriftung passiert immer in eine Richtung, kann aber von Tieren und Pflanzen durch "Tricks" verhindert werden. So schwimmen Fische häufig hinter Hindernissen in Kolken, um weniger Strömung zu haben, viele Fließgewässertierarten sind ganz schnittig gebaut, damit sie nicht so hohen Wasserwiderstand haben. Insekten haben ausgeprägte Klammergriffe, wie z.B. die Steinfliegenlarve. Laich und Eier von Insekten sind so klebrig, dass sie unter Steinen haften bleiben oder im Kiesbett (in dem Lückensystem) verschwinden. Mit Energie oder mit weiteren "Tricks" kann eine Art aber auch gegen den Strom sich verbreiten - z.B. indem viele Wasserlarven als ausgewachsene Insekten fliegen können. Die Eintagsfliege ist so ein Fall: Im Grunde lebt sie fast ihr ganzes Leben unter Wasser, nach dem Schlüpfen der Fliege geht es nur noch um Partnersuche, Fortpflanzung und Eierlegen. Die Fliege kann dabei ihre Art oberhalb des ursprünglichen Punktes Eier absetzen und stirbt.
Problematisch sind dabei Wehre, die z.B. bei Wanderfischen zur Isolation von Populationen führen.

Dass Wasser eine wichtige Brücke zur Verbreitung von Arten ist, hat bereits Charles Darwin ( in seiner Schrift "Über die Entstehung der Arten") entdeckt:

"Es kam mir dabei der Gedanke, dass Hochwasser wohl häufig ausgetrocknete Pflanzen oder deren Zweige mit daran hängenden Samenkapseln oder Früchten in das Meer schwemmen könnten. Ich wurde dadurch veranlasst, von 94 Pflanzenarten die Stengel und Zweige mit reifen Früchten daran zu trocknen und sie auf Meereswasser zu legen. Die Mehrzahl sank schnell unter, doch einige, welche grün nur sehr kurze Zeit an der Oberfläche geblieben waren, hielten sich getrocknet viel länger oben. So sanken z.B. reife Haselnüsse unmittelbar unter, schwammen aber, wenn sie vorher ausgetrocknet waren, 90 Tage lang und keimten dann noch, wenn sie gepflanzt wurden. Eine Spargelpflanze mit reifen Beeren schwamm 23 Tage, nach vorherigem Austrocknen aber 85 Tage, und ihre Samen keimten noch.

Die ökologische Dynamik und die Verbundfunktion ist der Hauptgrund, Flüsse nicht zu verbauen oder aufzustauen.

Mehr über den Zusammenhang zwischen Genpool und Flüssen hier.


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19.03.2004 9:57 last updated by Tina