Leben im und am Fluss!

Vogelspektrum
Die folgenden beiden Vogelarten sind exemplarisch herausgegriffen, um unterschiedliche "Spezialisten" zu beschreiben, deren Überleben von dem Erhalt bzw. der Neuschaffung von Auen- und Fließgewässergebieten abhängig sind.

 

Die Bachstelze trägt die Nähe zu Fließgewässern in ihrem Namen. Dabei ist sie weit häufiger an Straßen oder auf Äckern und Ödland als am Bach zu finden. Den Namen würde eher die Schafstelze verdienen, denn sie ist häufig bei der Insektenjagd am Flussufer zu beobachten.


Der Zwergtaucher

Der Zwergtaucher ist unser kleinster Taucher - der Name deutet es an. Er ist in etwa so groß wie eine Drossel und damit viel kleiner als Teichhuhn, Bläßhuhn oder die anderen heimischen Taucher. Damit wirkt er manchmal wie ein Entenküken, weil er auch noch sehr gedrungen gebaut ist. Typischerweise für viele Tauchvögel liegen die Körper tief im Wasser und die Füße weit hinten am Körper.

Im Gegensatz zu seinen größeren Verwandten ist dieser Taucher kein Teilzieher und somit Standvogel. Er ist im Winter häufig auf Flüssen in der Nähe der Stadt zu sehen, er versteckt sich meist am Rand im Schilf oder unter Zweigen. Zwergtaucher können zwar fliegen, jedoch flüchten sie meist, indem sie einige Meter tauchen, um dann an einer Deckung am Ufer wieder aufzutauchen. Meist taucht er gegen die Strömung, was ungewöhnlich ist, denn es kostet viel mehr Kraft als mit dem Wasser zu flüchten.Zwergtaucher unter einer Deckung.
Unten/oben: Zwergtaucher im unauffälligen Winterkleid.
Zwergtaucher ernähren sich nicht hauptsächlich von Fischen, sondern von Wasserinsekten und Weichtieren (Mollusken). Diese Taucher leben im Sommer viel versteckter, weil sie sich vornehmlich an dicht bewachsenen Ufern im Schilfgürtel aufhalten. Dort baut er auch sein Nest, wo 5-6 Junge von beiden Elternteilen aufgezogen werden.
Der Zwergtaucher ist noch recht verbreitet, wenn zumindest teilweise noch Schilfgürtel oder Aubereiche vorhanden sind. Fehlen diese, ist er höchstens als Gast im Winter vorhanden.

 

 

Zwergtaucher taucht kurz auf.


Haubentaucher.
Geduckter Zwergtaucher.

Es gibt noch zwei weitere Taucherarten, den Haubentaucher und den Schwarzhalstaucher, die im Gegensatz zum Zwergtaucher meist nur auf Seen oder großen Flüssen zu sehen sind. Leider können wir euch nur schlecht aufgelöste Vergleichs-Fotos von Hauben- und Zwergtaucher präsentieren, denn alle Taucher sind scheu und nur mit sehr guten Zoom-Kameras zu fotografieren. Man erkennt allerdings die unterschiedliche Haltung des Körpers ganz gut.

Der Haubentaucher (siehe Foto/Zeichnung ) mit einem Kücken lebt am liebsten auf großflächigen Seen und Altarmen. Im Gegensatz zum Zwergtaucher jagt er nicht häufig direkt am Ufer. Der Haubentaucher kann mehrere Minuten tauchen und ist vor allem während des Winters durch seine Balzrufe und den "Balztanz" recht auffällig. Sein Nest wird im Frühjahr aus Wasserpflanzen im Schilfgürtel des Gewässers gebaut. Die Jungvögel sind zunächst schwarz-weiß gestreift, was entfernt an ein Zebra erinnert.

Links ganz oben: Haubentaucher (Winterkleid) und Haubentaucherkopf mit Kücken.
Links mitte
: Zwergtaucher
Unten: Zeichnung eines Haubentauchers mit Küken.

Mehr zum Haubentaucher und anderen Taucher beim NABU.

Haubentaucher und Kücken.

Beim Eisvogel war es für uns wieder extrem schwierig, ihn überhaupt zu finden und dann noch aussagekräftige Bilder zu schießen. Denn A) ist er selten, weil er als Nistplatz Röhren in abgebrochene Flusssteilufer gräbt, die es längst nicht mehr überall gibt. Vorsicht: Nicht jede in eine Steilwand gegrabene Röhre ist ein Nistplatz, sie fällt nur durch starke Kotspuren auf.
B) Hat man sein Revier entdeckt, kommt man oft trotzdem nicht zu einer Begegnung mit einem der farbenfrohsten Vögel Europas, denn er ist recht scheu, hat eine normale Fluchtdistanz von etwa 20 Metern und man übersieht ihn trotz seiner stahlblau-roten Färbung.
 
Um einen Eindruck von seiner Unauffälligkeit zu geben, hier ein Foto mit dem Eisvogel am Ansitz. Obwohl schon auf nur 5 Meter Abstand, erkennt man fast nichts.
Um den Eisvogel in einer digitalen Vergrösserung zu sehen, bitte mit der Maus über das Bild gehen (rollover).
Eisvogel.
Oben: ein typisches Flugbild - schneller Flügelschlag, fast immer dicht überm Wasser. Häufig wird auch ein hohes
kurz wiederholtes Pfeifen (ähnlich einer Hundepfeife) hörbar, durch das sich der Eisvogel oft verrät.
Links unten: Hier sitzt der Eisvogel nach erfolgreicher Jagd auf einem Pfahl.
Eisvögel balzen zu sehen ist eine seltene Freude - im zeitigen Frühjahr ist die Zeit am günstigsten.
Eisvogel. Eisvögel leben versteckt und sind oft nur als "blauer Blitz" zu sehen, wenn sie ihre Ansitzplatz verlassen. Beobachtungstipp: Unser Fotograf nutzte bei seinen Aufnahmen den Effekt, dass sich der Eisvogel vor allem im Winter häufig an den gleichen Sitzplätzen einfindet und wartete an einem Platz mehrere Stunden. Günstig für eine Beobachtung wäre ein Stillgewässer (z.B. ein Altarm) an einem sonnigen Wintertag und nach einem starken Regenguß, denn dann sind Fließgewässer stark getrübt und der Vogel weicht auf Ersatzjagdgewässer aus, bei denen er bessere Sicht hat. Wenn man sich nicht bewegt, hat man große Chancen, dass der Eisvogel einen nicht als Gefahr erkennt.
Mehr zum Eisvogel beim NABU-Bundesverband.

 

Uferschwalben sind ebenso wie der Eisvogel auf Steilwandabbrüche an Gewässern angewiesen. Neben der Mehl- und der Rauchschwalbe unsere dritte Schwalbenart, baut die Uferschwalbe Löcher in sandige Steilwände an Flussufern oder an künstliche Sandabbrüche, wie z.B. an Baggerseen. Die Uferschwalbe ist etwa so groß wie die Mehlschwalbe, aber dunkelbraun gefärbt. Sie ist gefährdet, weil sie gegenüber Störungen während der Brutzeit empfindlich ist und vor allem die Baggerseen häufig von Schwimmern oder anderen Freizeitsuchenden besucht werden.
Uferschwalbenkolonie Während die normalen Baggerseebesucher nicht einmal so schlimm sind, stören besonders Motorcross-Rennen von Motorradfahrern, weil durch die Maschinen starke Erschütterungen ausgelöst werden.

Grade deshalb wäre etwas mehr Fairness gegenüber den Uferschwalben angesagt, was nicht bedeutet, dass man an Baggerseen nicht in einigem Abstand zur Kolonie sein sommerliches Sonnenbad nehmen kann.

Mehr zur Uferschwalbe hier oder beim NABU Zöschingen oder beim NABU-Bundesverband (pdf-Dokument).


Teichrohrsänger und Drosselrohrsänger wie Rohrammern lieben dichtes Schilf, das mindestens zwei Meter breit ist und entlang von Feuchtgebieten, Flüssen oder Stillgewässern läuft.
Da diese Vögel recht unauffällig leben, kann man sie nur an ihrer Stimme erkennen. Der Teichrohrsänger hat eine charakteristisch krächzend-melodiöse Stimme. Zu hören in der MP3-Sammlung.

Typischer Schilfgürtel eines großen Stillgewässers, der aufgrund des Wellenschlages im Wasser nicht so breit werden kann, sich allerdings auf der Aue weit ausbreiten kann.

 

Teichhühner und Lachmöwen osind häufige Wasservögel.
Sie stellen keine besonderen Ansprüche an naturnahe Lebensräume - im Gegenteil. Sie profitieren vom Menschen. Das Teichhuhn und das Bläßhuhn (erkennbar an dem weißen Schnabel) ist regelrechter Kulturfolger in allen Gewässern mit fütternden Menschen. Die Lachmöwe ernährt sich in der Regel von Abfall und ist sowohl auf Müllkippen, an Abwasserkanälen und auf Äckern auf Nahrungssuche. Wenn im Winter Lachmöwen in Schwärmen einfallen, hat das damit zu tun, dass sich im Binnenland oft immer noch offene Mülldeponien und andere Nahrungsquellen finden lassen.

Ein männliches Teichhuhn (oben) und ein Bläßhuhn- ein häufiger Wasservogel, der vor allem im Winter die Nähe von Fütterungsstellen aufsucht.

Das Teichhuhn baut mehrere Nester in Ufernähe ins Schilf oder Gestrüpp.
Nicht jedes der Nester wird als Brutplatz genutzt, jedoch verteidigt das Teichhuhn sein Revier sehr aggressiv auch gegen größere Konkurrenten wie Höckerschwäne. Totholz, das ins Wasser fällt, bildet sowohl über als auch unter Wasser eine gute Brutmöglichkeit.

Bei diesem Teichhuhn-Nest fällt auf, dass es sich bei Wasserspiegelschwankungen im kleinen Rahmen mitbewegt, weil das Hlze. Würde das Wasser allerdings um mehr als einige Zentimeter steigen, wäre auch dieses Nest gefährdet.


Ein paar Lachmöwen im Winterkleid auf einer Brücke.


Graureiher im Anflug auf seine Schlafstätte.

 

Perfekt an das Leben in Flussauen angepasst ist der Graureiher.
Den Graureiher sieht man häufig in Flussauen, Kulturlandschaften oder auch in der Nähe von Seen.

 

Auf unseren Fotos: zwei typischen Flugbilder - man sieht den gekrümmten Hals und die gebogenen Flügel - typisch für Reiher. Störche fliegen übrigens ähnlich, haben im Flug allerdings fast nie einen gekrümmten Hals.

Graureiher nisten in Kolonien auf hohen, oft in der Nähe des Wassers stehenden Altbäumen und ziehen etwa 2-3 Junge groß.

Auch außerhalb der Brutzeit versammeln sie sich in bestimmten Schlafbäumen, obwohl sie den Tag über eher alleine jagen. Oft in enger Nachbarschaft mit Kormoranen kann eine solche Kolonie mehrere dutzend Nester umfassen und ist eigentlich sehr auffällig: Nicht nur, dass die krächzenden Rufe der Reiher kaum zu überhören sind - anhand der weißlichen Kotspuren kann man sehr bald erkennen, wo sich Reiher länger aufgehalten haben.

Graureiher ernähren sich übrigens auch von Mäusen, Fröschen und Kleintieren - nicht nur von Fischen. Daher sieht man Graureiher auch manchmal auf Wiesen und Feldern bei der Ansitzjagd auf Mäuse. Zu beobachten ist er früh in der Dämmerung oder auch spät abends kurz nach Sonnenuntergang an Gewässern.

Wem die Suche zu aufwendig ist, kann in den Zoo gehen. Nicht, weil es ihn dort im Gehege gibt, sondern weil es in jedem Zoo todsicher Graureiher gibt. Nachdem die Besucher und Tierpfleger nämlich gegangen sind, stürzen sie sich auf die Futterreste und den Abfall. Insofern ist auch der Graureiher mittlerweile Kulturfolger.

Der "Fischreiher" ist sicherlich kein Kostverächter, was Fische angeht. Dieser Graureiher hat einen verendeten Hecht entdeckt, den er selber nicht fangen könnte.

Kormorane sind bei Anglern verschrien. Angeblich sollen sie Tonnen von Edelfisch vernichten, natürlich nach Ansicht von Sportfischereiverbänden ist der Kormoran damit eine Gefahr für bedrohte Arten. Jahrelang Feindbild der Angler, sollte man lieber darüber nachdenken, warum Gewässer so verbaut werden, anstatt Scheinlösungen wie den Abschuß einer fischfressenden Vogelart zu fordern, was die Jagdverbände (also die Kollegen Naturnutzer mit der Flinte) freut.

Jagd auf Kormorane muss man höchsten mit der Kamera machen..

   
Rotschenkel, auf einem Pfahl sitzend. Auch sonst gibt es eine Menge an Wasservögeln, z.B. die Gruppe der Schnepfenvögel (Limikolen). Der Austernfischer ist auf Sandbänken und offenen Überschwemmungsflächen zu finden. Im Binnenland sehr selten, ist er durch seinen Ruf einer der hervorstechenden Arten des Küstenbereichs. Im Wattenmeer ist die Hochwasser-Situation normal, der Wechsel von Gezeiten schafft einen einzigartigen Lebensraum. Profitieren kann auch der Rotschenkel, unter den Schnepfenvögeln ein während der Brutzeit durchaus leicht zu beobachtender Vogel. Er steht für das Ende des Flusses - die Mündungen und das Meer. . Die Silbermöwe ist mittlerweile ein starker Kulturfolger geworden, sie ernährt sich vor allem von Touristen - also deren Müll.
Der Rotschenkel verteidigt seine Brut durchaus auch gegen scheinbar überlegene Fotografen.
   
Der Sperber ist nicht ein typischer Wasservogel
- es sei denn die Jagd auf eine Drossel zwingt ihn dazu.
   

zurück zur Themenübersicht

15.01.2006 19:58 last updated by Tina