Vorzeit & Antike: Mythos Fluss, Mythos Wasser


Vase mit Brunnenszene, adeszene auf griechischer Vase: 480 v. Christus, Vase ist im Besitz des Staatlichen Museums zu Berlin

Vielleicht war es aber auch eine magische Anziehungskraft, die Wasser auslöste, die Menschen an Flüsse band, ihr Denken beeinflusste. Gleichzeitig zu dem Nutzwert war Wasser auch etwas Unvorhersehbares, etwas Bedrohliches und etwas Mythisches. Flüsse schienen sich ständig zu verändern, wurden immer breiter, konnten ganze Städte ernähren und entstehen lassen und wieder zerstören. Ihre Pegel waren unterschiedlich hoch, jährlich kam das Frühjahrshochwasser und hin und wieder auch Hochwasserkatastrophen.

Da Hochwasser zu den Naturereignissen gehören, die der Mensch lange nicht kontrollieren konnte, beschäftigen sich antike Chronisten und Philosophen seit Aufzeichnung der Geschichte mit Hochwassern. Sie wurden allerdings als gottgegebene Ereignisse wahrgenommen, und genauso wie andere Naturkatastrophen (Dürren) oft in Verbindung mit religiösen Rache-Gottes- oder Endzeit-Gedanken gebracht. Kein Wunder, sind doch schon in Bibel Naturkatastrophen als gottgewollte Ereignisse geschildert. Vielfach konnten die Menschen nicht schwimmen, was sie noch gefährdeter machte.
Die Schilderung von Sintfluten und Hochwassern startet mit den frühen Hochkulturen (in Ägypten), in der das Hochwasser zum Teil das Geschehen im ganzen Land bestimmte. In Ägypten war das Hochwasser etwas positives, weil es die Felder düngte. Die Bibel erzählt von der "Sintflut", die gleichzeitig Ende und Anfang bedeutete - viele andere Mythologien und Religionen weltweit betonen durch entsprechende Kulte die Bedeutung von Wasser, egal ob Juden, Christen, Hindus oder Moslems. Zur gleichen Zeit wurden im klassischen Griechenland der Brechnungswinkel des Wasssers (durch Ptolemäus) berechnet und kursierten Mythologien über das Wasser. Fast immer wird bei der Sintflut der Neuanfang betont, also bilden diese Erzählungen den gleichen Mechanismus bei den Menschen ab, der auch für die Tiere und Pflanzen einer Aue gilt - nach der Zerstörung folgt Wieder-Erneuerung.
Es gibt fast überall Nachrichten über Katastrophen und Sintflut-Mythologien:

  • Gilgamesch-Epos: Das älteste dramatische Stück der Welt erwähnt eine Sintflut durch den Bericht des Utnapischtim. Manche Forscher meinen, dass sämtliche späteren Flut-Geschichten hiervon "abgeschrieben" wurden - so auch die Sintflut im Alten Testament der Bibel.
  • Nach einer griechischen Sage, war es Deukalion, der
    fromme Sohn des Prometheus, der als einzigster mit seiner Frau Pyrrha auf einem Floss oder Schiff eine Sintflut (griechisch: kataklysmoi) überlebte. Nachdem sie auf eine Insel kamen, entstanden aus von ihnen (nach göttlicher Weisung) geworfenen Steinen Männer und Frauen.
  • Andromeda, die Namensgeberin für das Sternbild, war Tochter der Kassiopeia und des Kepheus. Weil ihre Mutter die Götter missachtete - sie hielt sich für schöner als die Nymphen (Wassergötter & Töchter des Zeus, dem Bruder Poseidons), wurde Poseidon wütend und schickte ein Meerungeheuer und eine Überschwemmung. Andromeda wurde auf Anraten eines Orakels am Felsen festgebunden und dem Ungeheuer ausgesetzt. Perseus (Sohn von Zeus) befreite allerdings Andromeda und heiratete sie - happy end.
  • Philemon und Baucis waren ein Ehepaar, das die in Menschengestalt bei ihnen weilenden Götter Zeus und Hermes aufnahm, obwohl diese nicht als Götter bekannt waren und die Gastgeber arm waren. Zum Dank verschonten die Götter sie bei einer katastrophalen Überschwemmung, in der alle anderen Bewohner starben.
  • Lethe war bei den Griechen der Fluss des Vergessens in der Unterwelt. Starb man, musste man aus ihm trinken, um die Erinnerungen an das frühere Leben auf der Erde zu vergessen.
  • Auch die antike Zeitalter-Lehre nahm Fluten auf, die einen Teil der Menschheit auslöschte, während ein anderer dies überlebte.
  • Vertumnus war eine römische Gottheit, der sich verwandeln konnte. Vielleicht half ihm diese Fähigkeit dabei, dass er den Tiber (Fluss bei Rom) bei einer Überschwemmung angeblich umgeleitet haben soll.



Sandro Botticelli: Geburt der Venus (Detail) , Ölbild ca.1485-86
Das berühmte Bild von Sandro Botticelli "Geburt der Venus" gibt eine solche Mythologie wieder: Venus, die Liebesgöttin, entsteigt in einer Muschel dem Meer. Dieser Mythos wurde in der Antike geprägt, wo es gleich einen ganzen Haufen von Fluss- und Meergottheiten und -helden gab:
Neptun, Odysseus, Pan...

 

Wasser als Nutzkraft z.B. zur Zeitmessung

Aber auch jenseits des Mythos hatte das Wasser Bedeutung in der Antike. So wurden bereits erste Pumpensysteme entworfen, darunter die berühmte hydraulische Schraube, die Wasser auch gegen das Gefälle pumpen kann. In der Antike benutzte man das stetig fließende Wasser auch zur Zeitmessung. Was sich irre anhört, klappt auch heute noch und man kann es gut nachbauen. Mithilfe von zwei durch (umgedrehte) U-Rohre verbundene Speicher konnte man die Zeit messen. In dem Moment, wo das Wasser im ersten Bassin so hoch steigt, dass es das erste U-Rohr übersteigt, fliesst das komplette Bassin in das zweite, luftdichte, Bassin. Dort wird die Luft verdrängt und eine Pfeife (hier als Vögelchen) beginnt zu pfeifen. Erreicht der Wasserspiegel das zweite U-Rohr, so fliesst es hierdurch ab - die Luft strömt durch die Pfeife rückwärts ein - bis vom ersten Bassin wieder ein Wasserüberschlag kommt. Durch die Modulierung des Zuflusses und die Größe des ersten Bassins konnte man diese Uhr kalibrieren. So wurde regelmäßig ein Pfeifen hörbar, wenn z.B. eine Zeitspanne von einer halben Stunde abgelaufen ist. Diesen Automaten kann man nachbauen - mehr dazu in den Aktionsideen.


Das Interesse an einer kontinuierlichen Aufzeichnung von Pegelständen und dem systematischen Erfassen von Hochwasserkatastrophen kam, als Flüsse auch wirtschaftlich genutzt und verändert wurden, als die Zeit des Flussausbaus begann. (Mehr Infos zum Flussausbau hier)

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28.01.2004 14:58 updated by Bene