Philosophen über Flüsse/Wasser/Flut

Immanuel Kant bis Charles Darwin

Dass Flüsse, Flut und Hochwasser immer wieder auch metaphorisch gebraucht wurden, erklären folgende Statements, die wir aus Büchern und im Internet für euch recherchiert haben. Ihr könnt diese Statements vielleicht bei dem ein oder anderen Mal für eure Arbeit vor Ort benutzen - wenn ihr sie verstanden habt ;-) :

 

Schilfrohr.

"Die Flüsse führen z.B. allerlei zum Wachstum der Pflanzen dienliche Erde mit sich fort, die sie bisweilen mitten im Lande, oft auch an ihren Mündungen, absetzen. Die Flut führt diesen Schlich an manchen Küsten über das Land, oder setzt ihn an dessen Ufer ab; und, wenn vornehmlich Menschen dazu helfen, damit die Ebbe ihn nicht wieder wegführe, so nimmt das fruchtbare Land zu, und das Gewächsreich gewinnt da Platz, wo vorher Fische und Schaltiere ihren Aufenthalt gehabt hatten. Die meisten Landeserweiterungen auf diese Art hat wohl die Natur selbst verrichtet, und fährt damit auch noch, obzwar langsam, fort.

- Nun fragt sich, ob dies als ein Zweck der Natur zu beurteilen sei, weil es eine Nutzbarkeit für Menschen enthält; denn die für das Gewächsreich selber kann man nicht in Anschlag bringen, weil dagegen eben so viel den Meergeschöpfen entzogen wird, als dem Lande Vorteil zuwächst.
(Kant: Kritik der Urteilskraft)

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"Denn die alten Deutschen, Kelten und andere mit ihnen verwandte Völker scheinen aus einem Naturinstinkt den Buchstaben R gebraucht zu haben, um eine heftige Bewegung und ein Geräusch, wie das dieses Buchstabens, zu bezeichnen. Dies sieht man in rheô (fließen), rinnen, rühren, rutir, Rhein, Rhone, Roer (Rhenus, Rhodanus, Eridanus, Rura), rauben, rapere, ravir, Rad (rota), radere, raser, rauschen (ein schwer zu übersetzendes Wort; es bezeichnet ein Geräusch, wie das der Blätter oder Bäume, welches der Wind oder ein durchstreifendes Tier darin macht, oder den ein Schleppkleid verursacht), ..."
(Leibniz: Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand)

"Denn das Wollen und die Zwecke machen ihn (den "Willen", Anm.d.R.) so einseitig, daß er an den Dingen nur das sieht, was sich darauf bezieht, das Uebrige aber theils verschwindet, theils verfälscht ins Bewußtseyn tritt.
So wird z.B. ein in Angst und Eile Reisender den Rhein mit seinen Ufern nur als einen Queerstrich, die Brücke darüber nur als einen diesen schneidenden Strich sehn. Im Kopfe des von seinen Zwecken erfüllten Menschen sieht die Welt aus, wie eine schö-
ne Gegend auf einem Schlachtfeldplan aussieht.
"
(Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung)

"Nun ist Gott die Ursache aller Vollkommenheiten und also auch von allen Realitäten, wenn man sie als rein positive nimmt. Die Beschränkungen kommen dagegen von der Unvollkommenheit der Geschöpfe, welche deren Empfänglichkeit beschränkt. Es ist, wie mit einen beladenem Schiffe, welches der Fluss mehr oder
weniger langsam treibt, nach Massgabe seiner Ladung; so kommt seine Schnelligkeit vom Fluss, aber die Verlangsamung, welche diese Schnelligkeit beschränkt, kommt von der Ladung.
"
(Leibniz: Die Theodicee)

"Dem Bach, der über Steine abwärts rollt, sind die Strudel, Wellen, Schaumgebilde,
die er sehn läßt, gleichgültig und unwesentlich: daß er der Schwere folgt, sich als unelastische, gänzlich verschiebbare, formlose, durchsichtige Flüssigkeit verhält; dies ist sein Wesen, dies ist, wenn anschaulich erkannt, die Idee: nur für uns, solange wir als Individuen erkennen, sind jene Gebilde.
(...) Denn die
Individuen sind flüchtig, wie das Wasser im Bach, die Ideen hingegen beharrend, wie dessen Strudel: nur das Versiegen des Wassers würde auch sie vernichten.
"
(Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung)

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»Kann ich ihn vergessen? Kann der Bach seine Quelle vergessen und sich von seinem Ursprung losreißen? Dann müßte er ja zu fließen aufhören. Kann der Pfeil, wie rasch er auch fliegen mag, den Bogen vergessen? Das müßte ihn in seinem Fluge aufhalten! Oder kann der Regentropfen, wie tief er auch fällt, den Himmel vergessen, woher er gekommen ist?
Dann müßte er ja zergehen. Kann ich eine andre werden? und von neuem geboren werden? Kann ich ihn vergessen? dann müßte ich zu leben aufhören!

(...) Wie oft habe ich an einem fließenden Bach gesessen. Immer ist's dieselbe leise
Melodie, die ich höre, immer sind's dieselben grünen Kräuter, die sich unter ihren plätschernden Wellen beugen, immer dieselben kleinen Tiere, die sich drinnen bewegen, ein kleiner Fisch, der sich unter den Steinen am Ufer verbirgt. Wie einförmig, und doch wie reich an Veränderung!
"
(Kierkegaard: Entweder-Oder)

"Es ist wohl bekannt, wie verschieden die Schwimmfähigkeit einer Holzart im grünen und im trockenen Zustande ist. Es kam mir dabei der Gedanke, dass Hochwasser wohl häufig ausgetrocknete Pflanzen oder deren Zweige mit daran hängenden Samenkapseln oder Früchten in das Meer schwemmen könnten. Ich wurde dadurch veranlasst, von 94 Pflanzenarten die Stengel und Zweige mit reifen Früchten daran zu trocknen und sie auf Meereswasser zu legen. Die Mehrzahl sank schnell unter, doch einige, welche grün nur sehr kurze Zeit an der Oberfläche geblieben waren, hielten sich getrocknet viel länger oben. So sanken z.B. reife Haselnüsse unmittelbar unter, schwammen aber, wenn sie vorher ausgetrocknet waren, 90 Tage lang und keimten dann noch, wenn sie gepflanzt wurden. Eine Spargelpflanze mit reifen Beeren schwamm 23 Tage, nach vorherigem Austrocknen aber 85 Tage, und ihre Samen keimten noch. Die reifen Früchte von Helosciadium
sanken in zwei Tagen unter, schwammen aber nach vorgängigem Trocknen 90 Tage und keimten hierauf. Im Ganzen schwammen von den 94 getrockneten Pflanzen 18 Arten über 28 Tage lang und einige von diesen 18 sogar noch viel länger. Es keimten also 64/87 = 0,74 der Samenarten nach einer Eintauchung von 28 Tagen, und schwammen 18/94 = 0,19 der getrockneten Pflanzenarten mit reifen Samen (doch zum Theil andere Arten als die vorigen) noch über 28 Tage; es würden daher, so viel man aus diesen dürftigen Thatsachen schliessen darf, die Samen von 0,14 der Pflanzenarten einer Gegend ohne Nachtheil für ihre Keimkraft 28 Tage lang von Meeresströmungen fortgetragen werden können.
"
(Charles Darwin: Über die Entstehung der Arten)

mehr zu dem Phänomen der "Verdriftung" hier.


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20.03.2006 18:08 updated by Bene